Bei einem „Weiter-so-wie-bisher“-Szenario wird der IPCC bald bankrott sein

Bei einem „Weiter-so-wie-bisher“-Szenario wird der IPCC bald bankrott sein

Bei einem „Weiter-so-wie-bisher“-Szenario wird der IPCC bald bankrott sein

Beim Weltklimarat (IPCC) der Vereinten Nationen herrscht Chaos. Es gibt Uneinigkeit über die Fristen, und mit dem Wegfall der US-amerikanischen Unterstützung droht eine ernsthafte Finanzierungslücke. Um es mit den Worten des IPCC selbst zu sagen: Wenn wir nichts unternehmen, wird der IPCC in wenigen Jahren bankrott sein.

Climate Intelligence (Clintel) is an independent foundation informing people about climate change and climate policies.
IPCC funding crisis – illustration of the UN climate panel facing financial difficulties and the prospect of bankruptcy.

Bild erstellt mit ChatGPT

Marcel Crok
Datum: 23. Oktober 2026

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Der Weltklimarat (IPCC) der Vereinten Nationen steckt in einer beispiellosen Krise. Die niederländischen Medien berichteten letzte Woche ausführlich darüber. „Völliges Chaos beim UN-Klimarat: Keine Einigung, kein Budget und kein Bericht?“ , titelte die NOS. „Die Gespräche beim maßgeblichen Klimarat IPCC sind völlig zum Erliegen gekommen“, berichtete RTL Nieuws .

Das Gremium traf sich in Addis Abeba (Äthiopien) zu seiner Jahrestagung. Dort sollten unter anderem Vereinbarungen über den Veröffentlichungstermin des nächsten IPCC-Berichts (des siebten; der sechste erschien 2021) und über die Finanzierung getroffen werden. In beiden Punkten lief es nicht wie geplant. Der amtierende IPCC-Vorsitzende Jim Skea beschloss am Freitagabend, die Tagung zu unterbrechen, da insbesondere Teilnehmer aus den am wenigsten entwickelten Ländern und kleinen Inselstaaten ihre Heimflüge erreichen mussten. Eine Fortsetzung hätte laut IPCC die Inklusivität des Prozesses gefährdet.

Auf den ersten Blick scheinen dies triviale Angelegenheiten zu sein. Länder, die eine ambitionierte Klimapolitik befürworten, wollen, dass der Bericht rechtzeitig zur großen Klimakonferenz 2028 vorliegt. Dort soll über die Fortschritte des Pariser Klimaabkommens von 2015 diskutiert werden. Einige Länder (darunter Saudi-Arabien, Russland, Indien und China) plädieren für eine Verschiebung bis 2029 mit der Begründung, Entwicklungsländer bräuchten mehr Zeit für die Teilnahme. Vorerst haben diese Länder „gewonnen“. Die NOS formuliert es so: „Die Tatsache, dass IPCC-Vorsitzender Jim Skea die Sitzung nun ohne Einigung über den Zeitplan oder die Budgets vertagt hat, wird als Sieg für eine Reihe von Ländern mit Interessen an fossilen Brennstoffen gewertet, die den Bericht bis nach dem Klimagipfel 2028 verzögern wollen.“

Keine Flugtickets oder Hotels

Doch wie immer spielt auch Geld eine Rolle. Präsident Trump hat die USA vollständig aus dem IPCC zurückgezogen. Und ausgerechnet die USA waren mit Abstand der wichtigste Geldgeber des IPCC. Amerika trug über ein Viertel zum Budget des IPCC bei. Viele, darunter auch Kritiker des IPCC, glauben, dass es sich dabei um große Summen handelt. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Das große Geld fließt nicht in den IPCC – das Gremium, das die wissenschaftlichen Gutachten veröffentlicht –, sondern in die Klimapolitik selbst, ein Prozess, der in den Zuständigkeitsbereich einer anderen UN-Organisation fällt, des UNFCCC.

Das Budget des IPCC ist verschwindend gering. Im Jahr 2024 belief es sich auf etwas über 5 Millionen Euro, wovon knapp 2 Millionen aus den USA stammten. Beiträge an den IPCC sind freiwillig. 80 Prozent der 195 Mitgliedsländer haben noch nie einen Cent beigesteuert. Der Niederländer Bart van den Hurk von Deltares ist derzeit Co-Vorsitzender des Berichts der Arbeitsgruppe 2 (welche die Auswirkungen des Klimawandels untersucht). 230 Wissenschaftler aus 91 Ländern tragen zu diesem Bericht bei. In einem Artikel von RTL Nieuws erklärt er, warum die Finanzierung auch jetzt noch wichtig ist: „[…] da kein Budget festgelegt wurde, fehlt das Geld für Flugtickets und Hotels für Reisende aus Entwicklungsländern.“

Der IPCC legt großen Wert auf Inklusivität, und für Wissenschaftler aus Entwicklungsländern bieten die IPCC-Tagungen eine Möglichkeit, überhaupt ins Ausland zu reisen. Durch den Rückzug der USA wird ihnen diese Chance nun verwehrt. Das ist der Grund für die Frustration. Es ist bezeichnend, dass andere Länder nicht bereit sind, eine Finanzierungslücke von nur zwei Millionen Euro pro Jahr zu schließen. Das zeigt offenbar, wie wichtig der IPCC ist.

Die Niederlande leisteten 2024 und 2025 keine Beiträge an den IPCC, vermutlich weil Deltares die sogenannte Technische Unterstützungseinheit (TSU) beherbergt. Auf der Website Rijksuitgaven.nl ist ein erheblicher zusätzlicher Beitrag an Deltares für 2023 vermerkt, der vermutlich für die Einrichtung dieser TSU bestimmt ist.

Szenario „Business as usual“

Anfang des Jahres berichteten wir auf Indepen, dass der IPCC nach jahrelanger Kritik endlich ein extrem düsteres Szenario verworfen hatte, das auf absurden Annahmen zum zukünftigen Kohleverbrauch basierte und bis 2100 zu einer extremen globalen Erwärmung geführt hatte. Nun droht dem IPCC selbst ein düsteres Szenario. In einem im März dieses Jahres veröffentlichten Artikel entwirft der IPCC verschiedene Szenarien für seine finanzielle Zukunft. Ganz in der Tradition des IPCC wollen wir das pessimistischste Szenario beleuchten.

IPCC funding crisis – graph showing projected contributions, expenditure and declining financial reserves under a business-as-usual scenario through 2029.

Dies zeigt deutlich, dass die Länderbeiträge 2023 mit über 8 Millionen Schweizer Franken (CHF; der Franken ist etwas mehr als einen Euro wert) ihren Höhepunkt erreichten und seitdem rückläufig sind. Bei einem „Weiter-wie-bisher“-Szenario rechnet der IPCC mit steigenden Ausgaben in den kommenden Jahren. Der angesammelte Puffer wird aufgebraucht sein, und bis 2029 wird die Organisation Verluste verzeichnen.

Die jährlichen Klimaverhandlungen (die nächste Runde beginnt nächsten Monat in Antalya) umfassen Hunderte bis Tausende Milliarden Dollar. Der IPCC hat die Aufgabe, den Ländern die bestmöglichen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Zustand des Klimas und relevante politische Handlungsoptionen zu liefern. Doch die Länder scheinen daran wenig bis gar kein Interesse zu haben. Es wird interessant sein, die Entwicklung der violetten Linie im obigen Diagramm in den kommenden Jahren weiter zu beobachten. Sie symbolisiert das wachsende Desinteresse der Welt am Klimawandel.

Übersetzung: Eric Vieira

Marcel Crok

Marcel Crok ist ein niederländischer Wissenschaftsjournalist, der seit seinem preisgekrönten Artikel über das berüchtigte Hockeyschlägerdiagramm im Jahr 2005 hauptberuflich über die Klimadebatte und Klimapolitik schreibt.  Er veröffentlichte zwei Bücher auf niederländisch: („De Staat van het Klimaat“ – Der Zustand des Klimas) und war Mitautor des Buches „Ecomodernisme“ (Ökomodernismus). Gemeinsam mit dem britischen unabhängigen Forscher Nic Lewis verfasste er einen umfassenden Bericht über Klimasensitivität mit dem Titel „A Sensitive Matter“ (Eine sensible Angelegenheit). Er wurde von der niederländischen Regierung als Gutachter für den IPCC-Bericht AR5 (Allgemeiner Sachverhalt des fünften Verfassungszusatzes) berufen. Zusammen mit den niederländischen Klimainstituten KNMI und PBL  gründete Crok die internationale Diskussionsplattform Climate Dialogue.
2019 gründete er zusammen mit dem emeritierten Professor Guus Berkhout die Clintel Foundation. Sie veröffentlichten die Weltklimaerklärung, die mittlerweile von über 2000 Wissenschaftlern und Experten unterzeichnet wurde. Gemeinsam mit Andy May und einem Team von Wissenschaftlern des Clintel-Netzwerks wirkte Crok an dem Buch „The Frozen Climate Views of the IPCC“ (Die eingefrorenen Klimaansichten des IPCC) mit und gab es heraus. mit und gab es heraus.

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By |2026-10-23T00:20:34-07:0023 October 2026|Climate Change|0 Comments

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