Henrik Svensmark wurde von seiner Universität entlassen
Der dänische Wissenschaftler Henrik Svensmark, bekannt für seine kontroversen Forschungen zu kosmischer Strahlung und Wolkenbildung, wurde nach jahrelangen internen Konflikten von seiner Universität in Kopenhagen entlassen. In einem Interview mit der dänischen Zeitung Berlingske bezeichnete er die Entscheidung als „Todesstoß“ für seine Forschung.
Henrik Svensmark, ein Standbild aus dem Dokumentarfilm „Climate: The Movie“
Karl Iver Dahl-Madsen
Datum: 21. Juli 2026
Im dänischen Klimajournalismus hat sich etwas Ungewöhnliches und Ermutigendes ereignet. Berlingske, eine der führenden dänischen Tageszeitungen, veröffentlichte einen ausgezeichneten und wirklich aufschlussreichen Artikel über die Entlassung des Physikers Henrik Svensmark von der Technischen Universität Dänemark (DTU), wo er seit Ende der 1990er-Jahre tätig war. Die Überschrift lässt keinen Zweifel übrig: „Umstrittener dänischer Klima- und Weltraumforscher von der DTU entlassen: ‚Ein Todesstoß‘ für meine Forschung.“
So beginnt der Artikel :
Er zählt zu Dänemarks international renommiertesten Forschern – und gleichzeitig zu den umstrittensten. Doch nun wurde der Weltraum- und Klimaforscher Henrik Svensmark, wie er selbst sagt, von seinem Arbeitgeber, der Technischen Universität Dänemark (DTU) in Lyngby, „ganz klassisch gefeuert“. Er schließt nicht aus, dass – wie er es formuliert – „politische Erwägungen“ in dem jahrelangen Prozess, der zu seiner endgültigen Entlassung führte, eine Rolle spielten. Gleichzeitig zögert Henrik Svensmark nicht, dies als „Todesstoß“ für einen Forschungszweig zu bezeichnen, den er weitgehend im Alleingang entwickelt hat und mit dem sich Klimaforscher weltweit, darunter auch der Weltklimarat (IPCC), – oft widerwillig – auseinandersetzen mussten. Dies liegt vor allem daran, dass Svensmarks Forschung auf einen seiner Ansicht nach übersehenen natürlichen Faktor hinweist, der für einen Großteil der Klimaveränderungen der Erde verantwortlich ist. Er schließt schließlich nicht aus, dass die Entlassung damit zusammenhängen könnte, dass er in weiten Kreisen als umstrittener Forscher wahrgenommen wird: „An der Forschung selbst ist nichts umstritten. Es stimmt aber, dass viele meine Forschung als umstritten empfinden, obwohl sie es nicht sein sollte.“ Die DTU äußert sich nicht zur Entlassung Svensmarks und bezeichnet sie als Personalangelegenheit. Der Direktor von DTU Space, Henning Skriver, bestätigt jedoch, dass Svensmarks übergeordnetes Forschungsgebiet, die Atmosphärenphysik, nun „deutlich weniger Priorität haben wird“.
Dem Wissenschaftsjournalisten Lars Henrik Aagaard gebührt Anerkennung für den gesamten Artikel. Anstatt Svensmark lediglich als „umstritten“ abzutun, stellt er die entscheidende Frage: Entlässt die DTU einen alternden Mitarbeiter oder beendet sie ein international anerkanntes, aber wissenschaftlich unliebsames Forschungsprogramm?
Die von Berlingske berichteten Fakten sind beunruhigend.
Der 68-jährige Svensmark, bekannt für seine Arbeiten zu kosmischer Strahlung und Wolken, arbeitete noch immer aktiv und bereitete ein neues Experiment vor. Nur wenige Monate zuvor, so erzählt er, hätten ihm seine Vorgesetzten versichert, dass seine Forschung wichtig sei und den Wunsch geäußert, sie fortzusetzen.
Laut Svensmark war er 2016 aufgrund positiver internationaler Evaluierungen auch für eine Professur ausgewählt worden. Ein neuer Rektor verhinderte jedoch seine erwartete Beförderung zum ordentlichen Professor und degradierte ihn zum Senior Researcher (wodurch sein Gehalt gekürzt wurde). Diese Maßnahme erschwerte es ihm, in Dänemark regelmäßige Forschungsgelder einzuwerben.
Im Jahr 2021 versuchte die DTU erneut, ihn zu entlassen, aber er blieb im Amt, unter anderem, wie er sagt, aufgrund von Protesten von Wissenschaftlern, die mit dem MIT und Princeton verbunden sind (Lindzen und Happer).
Berlingske legte der DTU diese Vorgeschichte vor. Die Universität lehnte eine Stellungnahme dazu ab. DTU-Space-Direktor Henning Skriver erklärte lediglich, die Atmosphärenphysik werde im Rahmen einer strategischen Priorisierung „deutlich zurückgestuft“.
Das ist keine Erklärung. Das ist Managementnebel.
Eine staatliche Universität kann ihre Prioritäten ändern. Sie sollte jedoch die wissenschaftliche Begründung dafür darlegen. Warum wurde Svensmark nur wenige Monate vor seiner Entlassung zum Weitermachen ermutigt? Was geschah mit der positiven internationalen Bewertung? Warum wurde ihm die Professur entzogen? Warum wird ein laufendes Experiment abgebrochen?
Die Einzelheiten eines einzelnen Arbeitsrechtsfalls können vertraulich sein. Die wissenschaftlichen Gründe für die Einstellung eines Forschungsprogramms sollten es nicht sein. Eine Hypothese kann nicht aus administrativen Gründen verworfen werden.
Sonnenaktivität
Svensmarks Forschung befasst sich mit dem Einfluss der Sonnenaktivität und der kosmischen Strahlung auf die Aerosolbildung, Wolken und damit auf das Klima.
Der vorgeschlagene Mechanismus ist prinzipiell einfach. Die Sonnenaktivität beeinflusst die Menge der kosmischen Strahlung, die die Erde erreicht. Diese ionisiert die Atmosphäre. Die Ionisierung kann die Bildung und das Wachstum von Aerosolpartikeln beeinflussen, von denen einige zu Wolkenkondensationskernen werden. Wolken wiederum beeinflussen die Strahlungsbilanz der Erde maßgeblich.
Teile dieser Kette wurden experimentell nachgewiesen. Die offene Frage ist, wie groß der resultierende Klimaeffekt unter realen atmosphärischen Bedingungen und über verschiedene Zeiträume hinweg ist.
Svensmark behauptet nicht, dass Kohlendioxid keine Wirkung habe. Er sagte gegenüber Berlingske:
„Ich sage nicht, dass der Mensch nicht Teil davon ist.“
Sein Argument lautet, dass natürliche Schwankungen, Wolkenprozesse und der Einfluss der Sonne weiterhin unzureichend quantifiziert seien. Er bezeichnet die Entlassung als „Todesstoß“ für das Forschungsprogramm, an dessen Entwicklung er einen Großteil seiner Karriere gearbeitet hat.
Kein Randforscher
Svensmark kann man getrost als erfolglosen oder unbedeutenden Wissenschaftler abtun. Google Scholar verzeichnet über 7000 Zitationen seiner Arbeiten und einen h-Index von 30. Verglichen mit der gesamten Forschungsgemeinschaft der DTU zählt er damit zu den besten 20 Prozent der Forscher und dürfte, gemessen an der Gesamtzahl der Zitationen, sogar noch höher liegen. Das ist ein beachtlicher wissenschaftlicher Einfluss in einem relativ kleinen und hart umkämpften Forschungsfeld, das weit entfernt ist von den großen Forschungsnetzwerken, die fast automatisch viele Zitationen generieren.
Der erwartbare, aber schwächste Beitrag in dem Artikel stammt von Jens Hesselbjerg Christensen, Professor am Niels-Bohr-Institut und eine prominente Persönlichkeit in der IPCC-Gemeinschaft.
Hesselbjerg räumt ein, dass kosmische Strahlung eine Rolle bei der Wolkenbildung und der langfristigen Klimageschichte spielen könnte. Er behauptet jedoch, dass ein Großteil von Svensmarks Forschung offenbar darauf abzielte, seine Hypothese zu bestätigen, und dass, wann immer diese nicht bestätigt wurde, einfach „etwas hinzugefügt“ wurde.
Das ist eine ungeheuerliche und intellektuell fragwürdige Anschuldigung.
Hesselbjerg nennt weder eine wissenschaftliche Publikation noch ein Experiment, eine fehlerhafte Messung, eine unzulässige Methode oder eine fehlgeschlagene Vorhersage. Er unterstellt Svensmark lediglich, seine Forschung sei so angelegt, dass sie zu einem vorbestimmten Ergebnis führe. Wenn Hesselbjerg das tatsächlich glaubt, sollte er die Experimente benennen und genau erklären, was daran fehlerhaft war. Andernfalls sollte er seine Behauptung zurückziehen.
Die Entwicklung einer Hypothese auf Grundlage neuer Erkenntnisse ist kein wissenschaftliches Fehlverhalten, sondern wissenschaftliche Praxis. Aerosolbildung umfasst Nukleation, Partikelüberleben, Wachstum, atmosphärische Chemie und schließlich die Wolkenbildung. Die Entdeckung weiterer Mechanismen ist keine bloßes „etwas hinzufügen“, sondern der eigentliche Zweck experimenteller Forschung.
Hesselbjergs „Leistung“ verdeutlicht ein tieferliegendes Problem. Forscher, die dem institutionellen Konsens nahestehen, können sich auf Autorität berufen, ohne dabei nennenswerte Argumente vorzubringen. Von einem abweichenden Forscher wird erwartet, dass er jedes Glied einer komplexen physikalischen Kette beweist, bevor seine Arbeit überhaupt als legitim gilt.
Das ist keine wissenschaftliche Chancengleichheit.
Die Forschung sollte fortgesetzt werden
Das unmittelbare Ziel sollte nicht lediglich darin bestehen, die DTU in Verlegenheit zu bringen. Vielmehr sollte es darum gehen, das Überleben von Svensmarks Forschung zu sichern. Der wichtigste nächste Schritt ist die Entwicklung eines Klimamodells, das die vorgeschlagene Kette von Sonnenaktivität, kosmischer Strahlung, atmosphärischer Ionisation, Aerosolwachstum und Wolkenbildung explizit berücksichtigt, neben dem Treibhauseffekt und den anderen etablierten Klimamechanismen.
Ein solches Modell würde es ermöglichen, eine Frage von enormer wissenschaftlicher und politischer Bedeutung zu untersuchen: Wie viel der beobachteten Temperaturentwicklung ist auf menschlichen Einfluss zurückzuführen und wie viel auf natürliche Schwankungen?
Diese Frage ist alles andere als rein akademisch. Die Klimapolitik hängt entscheidend von ihrer Antwort ab. Sind die natürlichen Einflüsse größer als angenommen, fällt der erwartete Effekt einer Reduzierung der Kohlenstoffemissionen geringer aus. Sind sie hingegen vernachlässigbar, gewinnt die derzeitige Zuordnung des Klimawandels zu CO₂ an Bedeutung. Beide Ergebnisse wären wertvoll.
Henrik Svensmark erklärt: „Der nächste entscheidende Schritt ist der Aufbau eines Klimamodells, das neben Treibhausgasen auch den Einfluss von Sonnenaktivität, kosmischer Strahlung, Aerosolbildung und Wolkenbildung berücksichtigt. Damit ließe sich überprüfen, inwieweit der heutige Klimawandel menschengemacht und inwieweit er natürlichen Ursprungs ist. Dies wäre innerhalb weniger Jahre und mit einem im Vergleich zur politischen und wirtschaftlichen Bedeutung der Frage bescheidenen Forschungsbudget realisierbar.“
Die Aufgabe ist daher konkret: Es braucht eine neue institutionelle Heimat für Svensmark zu finden, die Ausrüstung und das wissenschaftliche Know-how zu erhalten, ein internationales Forschungsteam zusammenzustellen und die notwendigen Mittel aufzubringen.
Berlingske hat der Öffentlichkeit einen wertvollen Dienst erwiesen, indem es diesen Fall öffentlich gemacht hat. Die DTU reagierte mit Ausflüchten. Jens Hesselbjerg Christensen reagierte mit einem nicht belegten Angriff auf die wissenschaftliche Integrität eines Kollegen.
Keine der beiden Antworten ist akzeptabel.
Der wissenschaftliche Fortschritt beruht auf Experimenten, Beobachtungen und überprüfbaren Modellen, nicht auf administrativen Prioritäten, institutioneller Konformität oder hinterhältigen Anspielungen.
Henrik Svensmarks Forschung darf nicht mit einer Entscheidung des DTU-Managements enden. Sie muss nun die nötigen Ressourcen erhalten, um sich dem einzig relevanten Urteil zu stellen: dem Urteil der Beobachtungen.

Karl Iver Dahl-Madsen
Karl Iver Dahl-Madsen ist unabhängiger Berater (Inhaber der Dahl-Madsen ApS), Vorsitzender des Vorstands des dänischen klimaskeptischen Vereins „Klimarealisme“ und tritt regelmäßig in dänischen Medien zu Klimapolitik, Energie und Umweltthemen auf. Mehr Informationen auf: https://klimarealisme.dk/
Übersetzung: Eric Vieira
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