Der Klimawandel ist NICHT die größte Bedrohung für den Tourismus
Berichte, wonach der Klimawandel die größte Bedrohung für den Tourismus darstelle, seien Unsinn, sagt Linnea Lueken.
Euronews berichtet, dass der Klimawandel laut dem Geschäftsführer einer Reisekommission die größte Bedrohung für den Tourismus darstelle. Das ist Unsinn. Wetterbedingte Reiseausfälle haben schon immer stattgefunden; weder der Geschäftsführer noch Euronews haben auch nur versucht, Daten anzuführen, die belegen, dass dies häufiger vorkommt. Der Tourismus ist in Europa so stark ausgeprägt, dass der Begriff „Übertourismus“ verwendet wird, um die Situation in beliebten europäischen Städten mit ihren enormen Besucherzahlen zu beschreiben. In einigen europäischen Städten kommt es sogar zu gewalttätigen Protesten gegen den Tourismus. Angesichts der jüngsten Proteste ist die größte Bedrohung für den Tourismus dort die Gegenreaktion gegen Besucher an verschiedenen beliebten europäischen Orten.
Der Artikel mit dem Titel „CEO der Europäischen Reisekommission: ‚Der Klimawandel ist derzeit die größte Bedrohung für den Tourismus‘“ berichtet über eine Rede von Eduardo Santander, dem CEO und Exekutivdirektor der Europäischen Reisekommission (ETC), auf einem kürzlich von Euronews veranstalteten Tourismusgipfel.
Laut ihrer Webseite ist die ETC „eine gemeinnützige Organisation, die die nationalen Tourismusverbände Europas vertritt“. Santander erklärte, der Tourismus mache zehn Prozent der europäischen Wirtschaft und allein in Spanien zehn Prozent oder mehr des BIP aus. Weiterhin führte er aus, die touristische Infrastruktur benötige aufgrund des „Übertourismus“, der zu Staus an Flughäfen und in den besuchten Orten führe, mehr Investitionen. Dann verlor er den Faden und behauptete, der Klimawandel sei derzeit mit Abstand die größte Bedrohung für den Tourismus.
Unterbrechungen
Euronews zitiert ihn mit Anekdoten wie etwa Unterbrechungen im Zugverkehr, „weil die Gleise wegen der Hitze ausgedehnt wurden“, und dass Kreuzfahrtschiffe aufgrund sinkender Wasserstände infolge von Dürre einige europäische Flüsse nicht befahren können.
Tatsächlich hat schlechtes Wetter den Tourismus schon immer beeinträchtigt und wird dies auch weiterhin tun. Tödliche oder extreme Hitzewellen sind für Europa nichts Neues, ebenso wenig wie ihre Folgen. Dies gilt insbesondere für Dürreperioden: Man braucht sich nur das Wiederauftauchen der sogenannten „Hungersteine“ anzusehen – uralte Dürreindikatoren in europäischen Flüssen und Seen, die belegen, dass es bereits Jahrhunderte vor der Industrialisierung schwere Dürren gab.
Der Artikel behauptet außerdem, dass Menschen wärmere Urlaubsziele meiden und kühlere bevorzugen. Zwar ist es richtig, dass kühlere Regionen weltweit einen Anstieg des Tourismus verzeichnen, doch gilt dies auch für wärmere Reiseziele. Tatsächlich boomt der Tourismus in vielen Ländern, da immer mehr Touristen neben den traditionell beliebten Reisezielen auch kältere Gegenden entdecken. Frankreich erlebte in diesem Jahr die touristisch stärkste Sommersaison seit 15 Jahren. Die Daten dieses Jahres zeigen, dass der Tourismus in Teilen Frankreichs, wie beispielsweise der Normandie, stärker zugenommen hat als an der französischen Mittelmeerküste. Die Zahlen liegen aber dennoch deutlich über dem Niveau vor der Pandemie.
Mexiko
Es ist mit ziemlicher Sicherheit nicht die Hitze an sich; Touristen, die einen Strandurlaub suchen, erwarten und wünschen sich die Hitze… außer vielleicht, dass amerikanische Touristen lieber nicht in Hotels ohne Klimaanlage übernachten möchten.
Wenn es stimmen würde, dass die globale Erwärmung Menschen dazu veranlasst, warme Reiseziele zu meiden, müssten Länder wie Mexiko rückläufige Besucherzahlen verzeichnen. Dies ist jedoch nicht der Fall. Mexikos attraktive Regionen haben trotz bekannter Gefahren sogar einen Anstieg des Tourismus erlebt, und Mexiko ist deutlich wärmer als Frankreich. Der Tourismus in Mexiko hat das Niveau vor der Pandemie übertroffen, sodass das Land voraussichtlich bis 2040 zu den fünf meistbesuchten Ländern gehören wird.
Dieses Jahr wird in Spanien mit einem neuen Besucherrekord gerechnet. Die Kanarischen Inseln bieten ganzjährig warmes Wetter und verzeichneten letztes Jahr ein Rekordjahr im Tourismus.
In letzter Zeit ist der massive Anstieg des Tourismus für einige europäische Stadtbewohner so belastend geworden, dass es in Frankreich und Spanien, also in den beiden Ländern, in denen der Klimawandel angeblich den Tourismus bedroht, zu Protesten gegen Touristen gekommen ist.
In Frankreich beklagen Anwohner die „Disneylandisierung“ von Teilen von Paris; die Überfüllung hat zu Streiks und Unruhen geführt. In Spanien ist die Lage noch schlimmer: In Barcelona, auf den Kanarischen Inseln und an anderen Orten kam es zu Protesten, die teilweise in gewalttätigen Auseinandersetzungen mündeten – sowohl in diesem Jahr als auch im Jahr 2025.
Nur weil Wetter- und Verkehrsstörungen an manchen Orten Touristen dazu veranlassen, ihre Urlaubsplanung zu ändern, heißt das nicht, dass der Klimawandel eine große Bedrohung für den Tourismus darstellt. Obwohl bekannt ist, dass sich die Zahlen fast überall verbessern, haben Euronews und Santander die Bedrohung bewusst übertrieben dargestellt, um dem Klimaschutz nur Lippenbekenntnisse zu geben. Gleichzeitig schieben sie die Verantwortung für die europäische Politik und das Verhalten einiger europäischer Bürger von sich, die den Tourismus hemmen oder weniger attraktiv machen.
Übersetzung: Eric Vieira
Dieser Artikel wurde erstmals am 8. Oktober 2026 auf climaterealism.com veröffentlicht.

Linnea Lueken
Linnea Lueken ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arthur B. Robinson Center on Climate and Environmental Policy. Während ihres Praktikums am Heartland Institute im Jahr 2018 war sie Mitautorin eines Policy Briefs des Heartland Institute mit dem Titel „Vier hartnäckige Mythen über Hydraulic Fracturing widerlegt“.
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