Das Great Barrier Reef hat es wieder geschafft: außergewöhnlich hohe Korallenbedeckung
Der Korallenbewuchs im Great Barrier Reef ist derzeit so hoch wie nie zuvor in den vergangenen 35 Jahren systematischer Überwachung, erklärte der australische Professor Peter Ridd kürzlich.
In seinem jüngsten Vortrag belegt Peter Ridd (der 2018 von der James Cook University aufgrund seiner abweichenden wissenschaftlichen Ansichten entlassen wurde) erneut, dass sich das Great Barrier Reef in einem deutlich besseren Zustand befindet, als die Öffentlichkeit bisher angenommen hat. Gestützt vor allem auf Langzeitdaten des Australian Institute of Marine Science (AIMS) argumentiert er, dass das Riff sechs Jahre in Folge Rekordwerte oder nahezu Rekordwerte bei der Korallenbedeckung verzeichnet hat. Diese Daten widersprechen jahrzehntelangen Medienberichten und wissenschaftlichen Warnungen, die nahelegten, dass das Riff kurz vor dem Zusammenbruch stehe.
Die vollständige Präsentation können Sie hier ansehen:
Außergewöhnlich hoch
Ridd eröffnet seinen Vortrag mit der Würdigung der jüngsten Ergebnisse der AIMS-Studie und stellt fest, dass die Korallenbedeckung derzeit so hoch oder sogar höher ist als jemals zuvor in den vergangenen 35 Jahren systematischer Überwachung. Diese Erkenntnisse stellen die weitverbreitete Annahme, der Klimawandel verursache die unmittelbare Zerstörung des Riffs, grundlegend infrage. Wie er es formuliert: „Das Great Barrier Reef hat es wieder einmal geschafft“, und bezieht sich damit auf ein weiteres Jahr mit außergewöhnlich hoher Korallenbedeckung.
Ridd schildert die geologische Geschichte des Great Barrier Reefs. Er merkt an, dass das heutige Riff nur das jüngste in einer langen Reihe von Riffen ist, die über Hunderttausende, bis Millionen von Jahre wuchsen, abstarben und sich regenerierten, während der Meeresspiegel in den Eiszeiten auf natürliche Weise stieg und fiel. Das heutige Riff selbst ist auf enormen Schichten abgestorbener Korallen aufgebaut, die sich über unzählige Generationen angesammelt haben. Korallensterben ist daher kein ungewöhnliches Ereignis, sondern ein wesentlicher Bestandteil der natürlichen Entwicklung des Riffs.
Ridd beschreibt anschließend die Anfänge der wissenschaftlichen Erforschung des Riffs in den 1960er Jahren, als die Tauchtechnik es Forschern erstmals ermöglichte, es systematisch zu untersuchen. Eine der ersten Sorgen betraf Massenvermehrungen der Dornenkronenseesterne, die lebende Korallen fressen. Damals befürchteten einige Wissenschaftler, diese Massenvermehrungen könnten das Riff innerhalb eines Jahrzehnts zerstören. Ridd betont jedoch, dass diese Bedenken verständlich waren, da den Forschern nur sehr wenige historische Informationen über die natürlichen Schwankungen von Korallenriffen vorlagen.
Die Etablierung des Langzeitmonitorings durch AIMS in den 1980er Jahren markierte einen Wendepunkt. Regelmäßige Untersuchungen erfassten die Korallenbedeckung und dokumentierten die Häufigkeit der Dornenkronenseesterne an zahlreichen Riffen. Diese jahrzehntelangen Beobachtungen zeigten, dass einzelne Riffe wiederholt dramatische Zyklen von Korallenverlusten mit anschließender rascher Erholung durchlaufen. Laut Ridd sind die Hauptursachen dieser Schwankungen tropische Wirbelstürme und Massenvermehrungen der Dornenkronenseesterne – beides natürliche Störungen und keine vom Menschen verursachten Prozesse.
2012
Ridd hebt die Zeit um 2012 hervor, als die Korallenbedeckung des Great Barrier Reefs einen ihrer niedrigsten jemals gemessenen Werte erreichte. Damals interpretierten viele Wissenschaftler und Medien diesen Rückgang als Beweis dafür, dass das Riff aufgrund des Klimawandels kurz vor einem unumkehrbaren Zusammenbruch stand. Ridd zeigt jedoch, dass das darauffolgende Jahrzehnt ein ganz anderes Bild ergab. Ab 2012 erholte sich die Korallenbedeckung stetig, erreichte 2021 Rekordwerte und ist seitdem außergewöhnlich hoch geblieben. Wurde eine niedrige Korallenbedeckung weithin als Beweis für eine Katastrophe dargestellt, so sollte die ähnlich hohe Korallenbedeckung als Beleg dafür verstanden werden, dass das Riff bemerkenswert widerstandsfähig ist.
Anstatt einzelne Forscher zu kritisieren, richtet Ridd seine Kritik gegen das, was er als eine umfassendere institutionelle Kultur bezeichnet. Viele wissenschaftliche Organisationen, Regierungsbehörden und Umweltgruppen sind finanziell und beruflich davon abhängig geworden, das Riff als ständig bedroht darzustellen. Dies schafft Anreize, negative Entwicklungen zu betonen und positive zu vernachlässigen. Er schätzt, dass Tausende von Menschen mittlerweile in Organisationen arbeiten, deren Missionen mit dem Schutz des Riffs verknüpft sind, und er ist überzeugt, dass dies eine systematische Verzerrung bei der Interpretation wissenschaftlicher Erkenntnisse fördert.
Gruppendenken
Zentral für Ridds Argumentation ist das Konzept des Gruppendenkens. Abweichende wissenschaftliche Ansichten werden oft unterdrückt, und Forscher, die gängige Interpretationen hinterfragen, haben Schwierigkeiten, Fördermittel zu erhalten oder damit, dass deren Arbeit ernst genommen wird. Ausgehend von seinen eigenen Erfahrungen behauptet er, dass Bedenken hinsichtlich Qualitätssicherung und wissenschaftlicher Methodik ignoriert wurden, weil sie die dominante Sichtweise infrage stellen. Er fasst seine Kritik mit den Worten zusammen: „Der Übeltäter sind das Gruppendenken und der Wahnsinn der Masse.“
Die Präsentation behandelt auch die Korallenbleiche. Ridd merkt an, dass mehrere Jahre der letzten Zeit – darunter 2016, 2017, 2020, 2022 und 2024 – als schwere Bleichereignisse beschrieben wurden, die angeblich schnell wachsende Geweih- und Plattenkorallen vernichtet haben. Die aktuelle Häufigkeit genau dieser Korallenarten widerspricht diesen Behauptungen jedoch. Wenn wiederholte Bleichereignisse sie zerstört hätten, fragt er, wie können sie dann jetzt in Rekordmengen vorkommen? Er schlussfolgert, dass die Auswirkungen der Bleiche erheblich überschätzt wurden, und verweist auf die seiner Ansicht nach bemerkenswerte Fähigkeit der Korallen, sich von erhöhten Wassertemperaturen zu erholen.
Offenheit
Ridd argumentiert, dass wissenschaftliche Institutionen reformiert werden müssen, um alternative Dateninterpretationen zu fördern. Ziel sollte es sein, institutionelle Anreize zu reduzieren, die das Riff immer wieder als nur wenige Jahrzehnte von der Zerstörung entfernt darstellen. Obwohl er die Art und Weise der Wissenschaftskommunikation kritisiert, lobt er AIMS für die Erhebung eines unschätzbaren, über vier Jahrzehnte reichenden Datensatzes. Er argumentiert, dass genau diese Daten eine weitaus optimistischere Einschätzung des Riffs ermöglichen als die, die der Öffentlichkeit gemeinhin präsentiert wird.
Gleichzeitig behauptet Ridd nicht, dass der Korallenbestand dauerhaft auf Rekordniveau bleiben wird. Er räumt ein, dass zukünftige Zyklone oder Dornenkronenseesternen-Ausbrüche die Korallenpopulation erheblich reduzieren könnten, wie es ähnliche Ereignisse in der Geschichte des Riffs schon oft getan haben. Solche Rückgänge werden jedoch als Teil eines seit langem bestehenden natürlichen Zyklus von Sterben und Nachwachsen dargestellt und nicht als Beweis für einen unumkehrbaren Niedergang. Er bemerkt: „Leben und Tod werden ihren Lauf nehmen. Aber dem Riff wird es gut gehen.“
In seinen Schlussbemerkungen beschreibt Ridd das Great Barrier Reef als eines der am besten geschützten Ökosysteme der Welt. Er argumentiert, dass es weitgehend von direkten menschlichen Eingriffen unberührt geblieben ist und von umfangreichen Schutzmaßnahmen profitiert. Basierend auf den Langzeitdaten kommt er zu dem Schluss, dass das Riff gesund und widerstandsfähig ist und sich von natürlichen Störungen erholen kann. Der jüngste Rekordwert der Korallenbedeckung zählt daher zu den meist ermutigenden Umwelterfolgen der letzten Jahre.
Übersetzung: Eric Vieira
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