Jacob Nordangård: Die Eroberung der Wissenschaft

Jacob Nordangård: Die Eroberung der Wissenschaft

Jacob Nordangård: Die Eroberung der Wissenschaft

In seinem jüngsten Vortrag „Die Vereinnahmung der Wissenschaft – Der Fall Klimawandel“ für das Omniwar-Symposium argumentiert der schwedische Forscher Jacob Nordangård, dass der Aufstieg der anthropogenen globalen Erwärmung als dominierende Erklärung für den Klimawandel von einflussreichen philanthropischen Stiftungen, Forschungseinrichtungen und politischen Netzwerken geprägt wurde.

Climate Intelligence (Clintel) is an independent foundation informing people about climate change and climate policies.
Swedish researcher Jacob Nordangård presenting The Capture of Academia – The Case of Climate Change at the Omniwar Symposium.

Die Vereinnahmung der Wissenschaft – Der Fall Klimawandel

Clintel Foundation
Datum: 17. Oktober 2026

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Gestützt auf seine Doktorarbeit und seine Bücher zur globalen Governance zeichnet Nordangård die Entwicklung von den 1950er Jahren bis zur internationalen Nachhaltigkeitsagenda von 2026 nach. Sein zentrales Argument lautet, dass bestimmte Netzwerke dazu beigetragen haben, Forschungsprioritäten festzulegen, bestimmte Interpretationen der Klimawissenschaft zu fördern und alternative Erklärungen, insbesondere solche, die die natürliche Klimavariabilität betonen, zu marginalisieren. Er sieht Klimapolitik als Teil eines umfassenderen Bestrebens, internationale Systeme für das Management menschlicher und natürlicher Ressourcen zu etablieren.

Die vollständige Präsentation können Sie unten ansehen:

Das Rockefeller-Netzwerk

Nordangård begann während seiner Doktorarbeit, die Geschichte des Klimawandels zu erforschen. Durch die Untersuchung der Verbindungen, der Finanzierung und der ideologischen Verknüpfungen der beteiligten Personen und Institutionen entdeckte er nach eigenen Angaben, dass das philanthropische Netzwerk der Rockefeller-Familie eine zentrale Rolle einnahm.

Die 1913 gegründete Rockefeller-Stiftung und der 1940 ins Leben gerufene Rockefeller-Brothers-Fund förderten Universitäten, Forschungsinstitute, Konferenzen und internationale Initiativen. Nordangård argumentiert, dass dieses weitreichende Netzwerk es den Stiftungen ermöglichte, die Richtung der wissenschaftlichen Forschung über mehrere Jahrzehnte hinweg zu beeinflussen.

Er hebt eine Aussage im Jahresbericht 2005 des Rockefeller Brothers Fund hervor: „Darin liegt unsere Chance.“ Der Bericht beschrieb den Klimawandel als ein Problem, das praktisch jeden Aspekt der Gesellschaft betrifft, von Energie und Investitionen bis hin zu Sicherheit und Landwirtschaft.

Für Nordangård offenbart diese Sprache, wie der Klimawandel als mehr als nur ein Umweltproblem betrachtet wurde. Er argumentiert, dass er eine Chance bot, Wirtschafts- und politische Systeme umzugestalten, möglicherweise einschließlich neuer Finanzmechanismen auf Basis der CO₂-Bilanzierung.

Von der wissenschaftlichen Hypothese zur politischen Priorität

Nordangård führt die Ursprünge der anthropogenen globalen Erwärmung auf den schwedischen Physiker Svante Arrhenius zurück, der die These vertrat, dass atmosphärisches Kohlendioxid die globalen Temperaturen beeinflussen könne. Der britische Ingenieur Guy Callendar entwickelte in den 1930er Jahren ähnliche Ideen und argumentierte, dass die Verbrennung fossiler Brennstoffe seit dem späten 19. Jahrhundert zur Erwärmung beigetragen habe.

Diese Ideen stießen anfangs auf wenig Beachtung. Laut Nordangård trugen wachsende Umweltbedenken, militärische Forschung und Fortschritte in der Computertechnologie dazu bei, das Thema in den wissenschaftlichen Mainstream zu bringen.

Der Ozeanograf Roger Revelle, der mit der Scripps Institution of Oceanography in Kalifornien verbunden war, spielte in diesem Prozess eine wichtige Rolle. Auch der Physiker Gilbert Plass erregte mit seinen Forschungen zu den klimatischen Auswirkungen von Kohlendioxid Aufmerksamkeit. Gleichzeitig begann Charles Keeling 1958 am Mauna-Loa-Observatorium auf Hawaii mit der Messung des atmosphärischen CO₂-Gehalts und dokumentierte so den Anstieg der Konzentrationen.

Nordangård betont die Bedeutung institutioneller und militärischer Finanzierung für diese Entwicklungen. Er hebt zudem die wachsende Rolle von Computermodellen bei der Berechnung der möglichen Auswirkungen steigender CO₂-Konzentrationen hervor. Seiner Interpretation zufolge konzentrierte sich die Forschung zunehmend auf die vom Menschen verursachte Erwärmung, während natürliche Erklärungen für Klimaschwankungen weniger Beachtung fanden.

Bevölkerungs- und globales Ressourcenmanagement

Ein Element von Nordangårds Präsentation betrifft die historischen Zusammenhänge zwischen Umweltbewusstsein, Bevölkerungspolitik und Eugenik.

Er beschreibt eine Konferenz von 1952 zu Bevölkerungsproblemen, an der einflussreiche Wissenschaftler und Befürworter der Bevölkerungskontrolle teilnahmen. Die Diskussionen trugen zur Gründung des „Population Council“ (Bevölkerungsrat) bei, der sich mit dem Verhältnis zwischen Bevölkerungswachstum und verfügbaren Ressourcen befasste.

Nordangård argumentiert, dass die Sorgen um Bevölkerungswachstum, Ressourcenknappheit und ökologische Grenzen eng mit der aufkommenden Klimaagenda verknüpft wurden. Er hebt außerdem das „Special Studies Project“ des Rockefeller Brothers Fund hervor, das zwischen 1956 und 1960 durchgeführt wurde und prominente Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammenbrachte, um die Herausforderungen für die Vereinigten Staaten zu erörtern.

Ein zentraler Gedanke war, dass Probleme, die nationale Grenzen überschreiten, internationale Zusammenarbeit erfordern. Nordangård verweist auf den Mathematiker John von Neumann, der voraussah, dass Eingriffe in atmosphärische und klimatische Prozesse letztlich Folgen haben könnten, die über einzelne Länder hinausreichen.

Für Nordangård kündigten diese Diskussionen die Entwicklung einer globalen umweltpolitischen Governance an. Er argumentiert, dass der Klimawandel zu einem Instrument wurde, um die internationale Koordination in Angelegenheiten voranzutreiben, die traditionell von nationalen Regierungen behandelt wurden. 

Erschaffung des internationalen Klimarahmens

In den 1960er und 1970er Jahren rückte der Klimawandel zunehmend in den Fokus politischer Debatten. US-Präsident Lyndon B. Johnson warnte 1965 vor den möglichen Auswirkungen von Kohlendioxidemissionen aus fossilen Brennstoffen.

Die wissenschaftliche Meinung war jedoch noch nicht einheitlich. Einige Forscher erwogen, ob Aerosole aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe zur Kühlung beitragen könnten, während andere die Erwärmungswirkung von CO2 betonten.

Nordangård argumentiert, dass sich das Gleichgewicht allmählich in Richtung der anthropogenen Erwärmung verschoben habe, da einflussreiche Institutionen die Forschung koordinierten und internationale politische Reaktionen förderten.

Die erste Weltklimakonferenz, die 1979 von der Weltorganisation für Meteorologie in Genf einberufen wurde, forderte Anstrengungen zur Vorwegnahme und Verhinderung potenziell schädlicher, vom Menschen verursachter Klimaveränderungen. Eine Konferenz im österreichischen Villach im Jahr 1985 brachte anschließend Vorschläge für koordinierte Forschung, Notfallplanung und ein mögliches internationales Treibhausgasübereinkommen hervor.

Nordangård hebt die Rolle des schwedischen Meteorologen Bert Bolin und des britischen Ökologen Gordon Goodman sowie die finanzielle Unterstützung durch philanthropische Organisationen der Rockefeller-Familie hervor. Er argumentiert, dass diese Verbindungen dazu beigetragen haben, den Klimawandel von einem wissenschaftlichen Forschungsthema in die politische Debatte zu überführen.

Ein entscheidender Moment ereignete sich im Juni 1988, als der NASA-Wissenschaftler James Hansen vor dem US-Senat aussagte, dass die globale Erwärmung mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit auf einen verstärkten Treibhauseffekt durch menschliche Aktivitäten zurückzuführen sei. Nordangård hinterfragt die Umstände der Anhörung und behauptet, Senator Timothy Wirth habe sie absichtlich an einem ungewöhnlich heißen Tag angesetzt und die Klimaanlage abgeschaltet, um die Wirkung zu verstärken.

Im selben Jahr wurde der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC) von der Weltorganisation für Meteorologie und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen gegründet; Bolin wurde sein erster Vorsitzender. Die UN-Generalversammlung erklärte den Klimaschutz zudem zu einem gemeinsamen Anliegen der Menschheit.

Nordangård betrachtet das Jahr 1988 als Wendepunkt, an dem der Klimawandel sich endgültig als internationale politische Priorität etablierte. Er argumentiert, dass die Forschung zur menschengemachten Erwärmung institutionelle Bedeutung erlangte, während alternative Erklärungen, die auf natürlicher Variabilität beruhen, zunehmend an den Rand gedrängt wurden.

Vom IPCC zur globalen Governance

Der internationale Rahmen wurde in den 1990er Jahren erweitert. Auf dem Erdgipfel 1992 in Rio de Janeiro unterzeichneten 154 Länder das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen und schufen damit eine Grundlage für die internationale Zusammenarbeit bei der Reduzierung von Treibhausgaskonzentrationen.

Nordangård stellt einen Zusammenhang zwischen dieser Entwicklung und umfassenderen Initiativen für ein globales Umweltmanagement her. Er hebt das Polestar-Projekt hervor, das 1991 mit Unterstützung der Rockefeller-Stiftung und des Umweltprogramms der Vereinten Nationen ins Leben gerufen wurde. Es nutzte computergestützte Szenarien, um zu untersuchen, wie eine nachhaltige globale Zivilisation durch ein koordiniertes Management des Erdsystems erreicht werden könnte.

Er sieht die nachfolgenden Entwicklungen, darunter die Agenda 2030 der Vereinten Nationen und das Pariser Abkommen, als weitere Schritte hin zu diesem internationalen Rahmen.

Die zunehmende Autorität des Klimakonsenses ist ein weiteres zentrales Thema. 2006 erklärte der Rockefeller Brothers Fund, die Wissenschaft zum Klimawandel sei abgeschlossen und dass es keiner weiteren Debatte bedürfe. Al Gores Dokumentarfilm „Eine unbequeme Wahrheit“, der im selben Jahr erschien, trug dazu bei, den Klimawandel in den Mittelpunkt der internationalen Politik zu rücken. Gore und der IPCC erhielten 2007 den Friedensnobelpreis.

Nordangård argumentiert, dass dieser wachsende Konsens es zunehmend schwieriger machte, etablierte Interpretationen infrage zu stellen, ohne als Klimaskeptiker oder -leugner abgestempelt zu werden.

Er führt die Climategate-Kontroverse von 2009 an, bei der E-Mails der Klimaforschungseinheit der University of East Anglia an die Öffentlichkeit gelangten, als Beleg für Probleme mit wissenschaftlicher Transparenz und dem Umgang mit Skeptikern. Kritiker warfen der Universität fragwürdige Forschungspraktiken und Versuche vor, abweichende Forscher zu unterdrücken. Zwar konnten nachfolgende Untersuchungen nicht alle Vorwürfe bestätigen, doch Nordangård sieht in diesem Fall ein Indiz für tieferliegende institutionelle Probleme.

Die digitale Zukunft der Klimapolitik

Im letzten Teil seines Vortrags untersucht Nordangård die Entwicklungen nach 2020. Er argumentiert, dass die Klimapolitik zunehmend mit digitaler Überwachung, internationaler Koordination und Vorschlägen für eine umfassendere globale Governance verknüpft wird.

Er erörtert den UN-Bericht „Our Common Agenda“ (Unsere gemeinsame Agenda) von 2021, der eine stärkere internationale Zusammenarbeit bei der Bewältigung globaler Herausforderungen forderte, sowie den darauf folgenden „Pact for the Future“ (Pakt für die Zukunft). Außerdem hebt er die im April 2026 von der von der Rockefeller-Stiftung unterstützten „Climate Governance Commission“ (Kommission für Klimapolitik) veröffentlichten Strategiepapiere hervor.

Diese Vorschläge umfassen die internationale Überwachung des Erdsystems und Mechanismen zur Reaktion auf planetare Notfälle. Nordangård interpretiert sie als Fortsetzung des jahrzehntelangen Bestrebens, globale Systeme für das Management von Umwelt- und menschlichen Angelegenheiten zu entwickeln, wobei digitale Technologien potenziell eine umfassendere Aufsicht und Koordinierung ermöglichen.

Abschluss                  

Nordangård kommt zu dem Schluss, dass die mit der Rockefeller-Familie verbundenen philanthropischen und wissenschaftlichen Netzwerke maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des anthropogenen Klimawandels zu einem zentralen Forschungs- und Politikthema ausübten. Er argumentiert, dass dieser Einfluss durch Finanzierung, institutionelle Entwicklung, wissenschaftliche Konferenzen, Medienkampagnen und internationale politische Initiativen wirkte.

Seine grundsätzliche Sorge ist, dass die Wissenschaft zu eng mit einer politischen Agenda verknüpft wurde, was ihre Unabhängigkeit und Bereitschaft schwächt, alternative Erklärungen zu berücksichtigen. Er ist überzeugt, dass die Geschichte der Klimaforschung, den Einfluss durch Förderprioritäten und institutionelle Netzwerke verdeutlicht, welche Fragen Beachtung finden und welche Interpretationen an Autorität gewinnen.

Der Vortrag wirft wichtige Fragen zum Verhältnis zwischen wissenschaftlicher Forschung, Philanthropie und politischer Macht auf. Nordangårds zentrale Warnung lautet, dass wissenschaftliche Institutionen transparent, kritikfähig und offen für alternative Hypothesen bleiben müssen. Seiner Ansicht nach ist die Wahrung der akademischen Unabhängigkeit unerlässlich, damit sich die Wissenschaft weiterhin auf die Bewertung von Beweisen konzentriert und nicht vorgefassten politischen Zielen dient.

Übersetzung: Eric Vieira

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By |2026-10-16T23:22:40-07:0016 October 2026|Climate Change|0 Comments

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