Vom „Dämon“ zum „Abendessen“: Willie Soons Plädoyer für CO2 und fossile Brennstoffe
„CO2 ist kein satanisches Gas und auch kein Dämon. Es ist einfach nur Nahrung für Pflanzen“, sagte Willie Soon auf der kürzlich stattgefundenen EIKE-Konferenz.
Willie Soon auf der EIKE-Konferenz (Quelle: CERES-Science)
Clintel Foundation
Datum: 1. September 2026
Willie Soons jüngster Vortrag auf der EIKE-Konferenz in Deutschland basierte auf folgender These: Kohlendioxid sollte nicht als gefährlicher Schadstoff, sondern als grundlegender Bestandteil des Lebens betrachtet werden – und fossile Brennstoffe sollten nicht als Umweltfluch, sondern als wichtiger Motor des menschlichen Wohlstands verstanden werden.
Die vollständige Präsentation können Sie unten ansehen:
Soon eröffnete seine Ausführungen mit einer Kritik an der rechtlichen Einstufung von CO2 in den Vereinigten Staaten. Nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs im Fall Massachusetts gegen die EPA aus dem Jahr 2007, so Soon, gelte Kohlendioxid in den USA offiziell als Luftschadstoff. Unter Berufung auf die abweichende Meinung von Richter Antonin Scalia argumentierte Soon, dass eine solche Auslegung den Begriff „Schadstoff“ bis ins Absurde ausdehne. CO2, betonte er, sei für das Pflanzenwachstum unerlässlich, und auch der Mensch selbst atmet es ständig aus.
Pflanzen
Dies bildete das zentrale Thema seines Vortrags: „Pflanzen nennen es nicht Schadstoff. Sie nennen es Nahrung.“ Er argumentierte bald, dass die atmosphärische CO₂-Konzentration für das Funktionieren der Biosphäre unerlässlich sei. Unterhalb von etwa 150 ppm würde die Photosynthese bei den meisten Pflanzen versagen. Mit heute rund 425 ppm hat sich die Menschheit von einem CO₂-Mangelregime entfernt.
Bald stellte er einen Zusammenhang zwischen CO₂, der Geschichte der Nutzung fossiler Brennstoffe und dem steigenden Lebensstandard her. In den letzten zwei Jahrhunderten, so argumentierte er, haben über eine Milliarde Menschen die extreme Armut hinter sich gelassen, vor allem dank des Zugangs zu billiger, leistungsstarker und zuverlässiger Energie aus Kohle, Öl und Erdgas. Wohlhabendere Gesellschaften weisen tendenziell sauberere Luft und saubereres Wasser, größere Waldflächen und eine bessere öffentliche Gesundheit auf. Wirtschaftliche Entwicklung sollte daher als Teil der Lösung für Umweltprobleme und nicht als deren Ursache betrachtet werden.
Dieselbe Logik gilt für die Energiepolitik. Jede bedeutende und erfolgreiche Energiewende in der Geschichte zielte auf eine höhere Energiedichte ab – von Holz über Kohle, Öl und Erdgas bis hin zur Kernenergie. Ein Übergang zu intermittierenden, wetterabhängigen Energiequellen wie Wind und Sonne stellt daher eher einen Rückschritt als einen technologischen Fortschritt dar. Soon zitierte Professor Colin McInnes und bezeichnete eine Energiewende hin zu teurerer und weniger effizienter Energie als „Regression“.
Der deutsche Atomausstieg wurde als besonders drastisches Beispiel angeführt. Er stellte Deutschland der Schweiz gegenüber und argumentierte, dass die Schweiz durch ihre fortgesetzte Nutzung von Atomkraft günstigeren und zuverlässigeren Strom erhalten habe, während Deutschland die Stilllegung von Atomkraftwerken mit massiven Investitionen in Wind- und Solarenergie und der fortgesetzten Nutzung von Braunkohle kombiniert habe. Er bezeichnete die Zerstörung funktionierender nuklearer Infrastruktur als „Energievandalismus“.
Anstieg des atmosphärischen CO2
Soons wichtigstes wissenschaftliches Argument betraf die Ursache des anhaltenden Anstiegs des atmosphärischen CO₂. Er stellte die gängige Interpretation infrage, dass dieser Anstieg primär auf menschliche Emissionen zurückzuführen sei. Laut Soon stagnieren die globalen Emissionen aus fossilen Brennstoffen seit über einem Jahrzehnt weitgehend, während der atmosphärische CO₂-Gehalt kontinuierlich ansteigt. Er führte sinkende oder stagnierende Emissionen in den USA, Deutschland und China als Beleg dafür an, dass der Zusammenhang nicht so einfach sei, wie gemeinhin dargestellt.
Soon argumentierte, der Schlüssel zum Verständnis des atmosphärischen CO₂ liege in den enormen natürlichen Austauschprozessen zwischen Atmosphäre, Ozeanen und Biosphäre. Jährlich wandern über 200 Gigatonnen Kohlenstoff zwischen Atmosphäre und natürlichen Speichern, während die Atmosphäre selbst nur etwa 750–900 Gigatonnen enthält. Das bedeutet, dass ein erheblicher Anteil des atmosphärischen Kohlenstoffs jedes Jahr ausgetauscht wird. Laut Soons Interpretation könnten daher bereits relativ kleine Veränderungen im Gleichgewicht dieser enormen natürlichen Flüsse einen großen Einfluss auf den atmosphärischen CO₂-Gehalt haben.
Er verwies auf den saisonalen CO₂-Zyklus als weiteres Indiz für die Dominanz natürlicher Prozesse. Der atmosphärische CO₂-Gehalt sinkt während der Vegetationsperiode der Nordhalbkugel und steigt im Herbst und Winter wieder an, wenn die Vegetation abstirbt und verrottet. Soon betonte, dass das Ausmaß dieser saisonalen Schwankung weitaus größer sei als die saisonale Schwankung der anthropogenen Emissionen aus fossilen Brennstoffen. Er zitierte frühere Forschungsergebnisse, die zu dem Schluss kamen, dass die Nutzung fossiler Brennstoffe den jährlichen Zyklus des atmosphärischen CO₂ nicht erklären kann.
Biosphäre
Soon stellte auch die Verwendung von Kohlenstoffisotopen als eindeutigen „Fingerabdruck“ von Emissionen aus fossilen Brennstoffen infrage. „Man kann den Unterschied zwischen CO₂-Emissionen aus Kohle, Benzin, Erdgas und einem Hamburger nicht allein anhand des Delta-13C-Isotops feststellen“, sagte er.
Ein weiteres Element in Soons Argumentation war seine Schätzung, dass die terrestrische Biosphäre zwischen 1961 und 2023 etwa 55,3 Gigatonnen Kohlenstoff angesammelt hat. Er interpretierte dies als Beleg für eine wachsende und zunehmend aktive Biosphäre, die positiv auf zunehmende CO₂-Konzentrationen reagiert. Anstatt ein passives Opfer des atmosphärischen Wandels zu sein, argumentierte er, sei die Vegetation selbst ein wichtiger Bestandteil des Kohlenstoffkreislaufs.
Soon dehnte die Argumentation auf die Paläoklimaforschung aus und stellte die Annahme infrage, dass der atmosphärische CO₂-Gehalt vor der Industrialisierung während des gesamten Holozäns im Wesentlichen konstant bei 280 ppm geblieben sei. Er verwies auf Belege aus Pflanzen-Spaltöffnungen und anderen Aufzeichnungen, die auf deutlich größere natürliche Schwankungen des CO₂-Gehalts vor der industriellen Nutzung fossiler Brennstoffe hindeuten. Solche Belege, so argumentierte er, werfen Fragen darüber auf, inwieweit die jüngsten atmosphärischen Veränderungen automatisch auf menschliche Emissionen zurückgeführt werden können.
Anschließend wandte er sich der Temperatursensitivität zu. Soon nutzte den deutschen Jahreszeitenzyklus als, wie er es nannte, natürliches Experiment und verglich den Temperaturunterschied von etwa 26 °C zwischen Winter und Sommer mit der entsprechenden Veränderung der Sonneneinstrahlung. Unter Anwendung der vom IPCC üblicherweise verwendeten Konvention zur Berechnung des Strahlungsantriebs ermittelte er eine Klimasensitivität gegenüber einer Verdopplung des CO₂-Gehalts von etwa 0,5 °C, bzw. weniger als 1 °C bei einer konservativeren Berechnung. Dies, so argumentierte er, liege deutlich unter der zentralen Schätzung des IPCC von rund 3 °C.
Positiv
Im zweiten Teil des Vortrags wurden die aus Soons Sicht positiven Folgen des höheren atmosphärischen CO₂-Gehalts hervorgehoben. Satellitenbeobachtungen zeigen, dass die Erde deutlich grüner geworden ist, insbesondere in China und Indien. Höhere CO₂-Konzentrationen steigern die Photosyntheseleistung und ermöglichen es Pflanzen, ihre Spaltöffnungen teilweise zu schließen und gleichzeitig weiterhin Kohlenstoff aufzunehmen. Dadurch wird der Wasserverlust reduziert und die Trockenheitstoleranz verbessert.
Soon zitierte Forschungsergebnisse, die nahelegen, dass der steigende CO₂-Gehalt maßgeblich zu höheren Ernteerträgen beigetragen hat und auch den Wäldern zugutekommt. Er verwies auf Experimente, in denen erhöhte CO₂-Konzentrationen die Pflanzenproduktivität und die Holzproduktion steigerten, sowie auf Studien, die ein verstärktes Baumwachstum im Amazonasgebiet belegen. Die Ozeane, fügte er hinzu, zeigten in einigen Regionen Anzeichen einer erhöhten biologischen Produktivität, während auch in der Arktis eine stärkere Vegetation und höhere biologische Aktivität zu verzeichnen seien.
Abschließend erörterte Soon medizinische Anwendungen von CO2 und verwies auf Forschungsergebnisse zur transkutanen CO2-Therapie für die Wundheilung sowie auf experimentelle Arbeiten mit Tumoren. Diese Beispiele, so argumentierte er, verdeutlichten einmal mehr, wie absurd es sei, das Molekül selbst als toxischen Schadstoff zu bezeichnen.
Er schloss seine Ausführungen bald mit der Rückkehr zu seiner zentralen Metapher. CO₂, so argumentierte er, sei kein Gift, das die Biosphäre bedrohe, sondern ein Molekül, von dem die Biosphäre abhänge. Die Welt stehe seiner Ansicht nach nicht vor einem „Emissionsnotstand“; vielmehr seien die natürlichen Kohlenstoffflüsse weiterhin enorm, die Biosphäre dehne sich aus und der Planet werde grüner.
Seine abschließende Botschaft war daher ebenso politisch wie wissenschaftlich: Energie- und Klimapolitik sollten auf Messungen, physikalischen Prinzipien und einer ehrlichen Einschätzung der Unsicherheit basieren, anstatt auf dem, was er als Politisierung von CO₂ ansieht. „CO₂ ist kein satanisches Gas und kein Dämon. Es ist einfach nur Nahrung“, schloss Soon.
Übersetzung: Eric Vieira
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