Lucy Biggers trifft Chris Wright: „Der Versuch, den gesunden Menschenverstand zurückzubringen“
Als Energieminister unter Donald Trump hat Chris Wright die „Energieverfügbarkeit im Überfluss“ zum zentralen Gedanken seiner amerikanischen Energiepolitik gemacht. Die ehemalige Klimaaktivistin Lucy Biggers interviewte Wright kürzlich für die Zeitung „The Free Press“.
Chris Wright im Gespräch mit Lucy Biggers für The Free Press
Clintel Foundation
Datum: 11. September 2026
Als Energieminister unter Donald Trump machte Wright den Gedanken der „Energieverfügbarkeit im Überfluss“ zum Kernstück seiner amerikanischen Energiepolitik. In einem Gespräch mit Lucy Biggers für die Zeitung „ The Free Press“ argumentierte er, dass Wohlstand, technologischer Fortschritt und sogar Verbesserungen im Gesundheitswesen von einem deutlich verbesserten Zugang zu bezahlbarer und zuverlässiger Energie abhängen.
Das vollständige Interview können Sie unten ansehen:
Das Interview ist besonders bemerkenswert aufgrund von Biggers’ eigenem Werdegang. Die ehemalige Klimaaktivistin, die einst das akzeptierte, was sie heute als Klima-„Doomerismus“ bezeichnet, wandte sich an Wright, um zu verstehen, wie sich eine Philosophie des Energieüberflusses in konkrete Politik umsetzen lässt und warum sie ihrer Meinung nach eine bessere Alternative zu den klimafokussierten Strategien der Regierungen von Biden und Obama darstellt.
Kohle
Wright beginnt seine Argumentation mit einem historischen Rückblick. Energie, so argumentiert er, sei eine der treibenden Kräfte hinter dem Wandel der menschlichen Zivilisation gewesen. Die Entdeckung der Kohle habe die Landwirtschaft produktiver gemacht, während Erdöl die Entwicklung und den Ausbau der modernen Medizin ermöglicht habe. Infolgedessen sei die weltweite Lebenserwartung dramatisch gestiegen. Das moderne Leben mit Heizung und Klimaanlage, Transport, Beleuchtung und fließendem Wasser sei im Grunde eine energieintensive Errungenschaft.
Wright weist jedoch darauf hin, dass die Vorteile dieses modernen Energiesystems nach wie vor sehr ungleich verteilt sind. Er schätzt, dass nur etwa eine Milliarde Menschen ein „Leben in voller Energie“ genießen, während Milliarden weitere einen vergleichbaren Lebensstandard anstreben. Für sie, so argumentiert er, gibt es keinen realistischen Weg zu Wohlstand, der nicht mit einem deutlich höheren Energieverbrauch einhergeht. „Der einzige Weg von unserem heutigen Standpunkt dorthin führt einfach über massiv mehr Energie.“
Diese Überzeugung prägt Wrights Kritik an der Vorgängerregierung. Er argumentiert, dass sich das Energieministerium unter Biden übermäßig auf Windkraft, Solarenergie, Batterien und Dekarbonisierung konzentriert und dabei Kohlenwasserstoffe weitgehend vernachlässigt habe. Dieser Ansatz habe das enorme Ausmaß des bestehenden Energiebedarfs der USA und der Welt ignoriert.
Eines der Probleme, die er geerbt hatte, war laut Wright die geplante Reduzierung der zuverlässigen Stromerzeugung genau zu dem Zeitpunkt, als der Strombedarf voraussichtlich steigen würde. Die Energieversorger planten, innerhalb von fünf Jahren netto 46 Gigawatt Erzeugungskapazität stillzulegen, während Wright davon ausgeht, dass die USA aufgrund von künstlicher Intelligenz, Rechenzentren, Fertigung und Automatisierung rund 100 Gigawatt zusätzliche Erzeugungskapazität benötigen werden. Seine oberste Priorität war daher schlichtweg, die Stilllegung bestehender Kapazitäten zu stoppen.
Für Wright ist die grundlegende Rechnung einfach. Energiepolitik sollte danach beurteilt werden, welchen Nutzen sie für die Menschen bringt, wobei Umweltaspekte weiterhin berücksichtigt werden müssen. Er lehnt die Vorstellung ab, dass dies eine voreilige Festlegung auf eine bestimmte Energietechnologie erfordere. Stattdessen sollten sich politische Entscheidungsträger fragen, welche Technologien reichlich, zuverlässig und bezahlbar Energie liefern können.
Wind- und Solarenergie
Hier wird seine Kritik an Wind- und Solarenergie besonders scharf. Wright verweist auf die enormen Summen, die weltweit in Windkraft, Solarenergie, Batteriespeicher und Übertragungsinfrastruktur investiert wurden, und argumentiert, dass diese Technologien nach wie vor nur einen sehr geringen Anteil des globalen Primärenergiebedarfs decken. Er nennt zudem Großbritannien, Deutschland und Dänemark als Beispiele für Länder mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien und entsprechend hohen Strompreisen.
Großbritannien dient ihm als Hauptbeispiel. Wright argumentiert, dass das Land seine inländische Energieproduktion und Industriekapazität erheblich reduziert habe, während es weiterhin stark von Kohlenwasserstoffen abhängig sei. Die Verlagerung der Industrieproduktion ins Ausland beschreibt er als nichts anderes als Emissionsauslagerung: Güter, die einst in Großbritannien mittels Erdgas hergestellt wurden, werden nun in China dank Kohle produziert und per Schiff und Lkw zurücktransportiert. Ein solches System kann die nationalen Emissionsstatistiken zwar verbessern, ohne die globalen Emissionen zu senken.
Wright bestreitet nicht, dass Solar- und Windenergie sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten haben. Solarpaneele seien in abgelegenen Gebieten durchaus sinnvoll, sagt er, und sogar im Weltraum könnten sie nützlich sein. Er lehnt jedoch die Vorstellung ab, dass sie eines Tages den Großteil des weltweiten Energiebedarfs decken könnten. „Wird die Welt jemals ausschließlich mit Solaranlagen und Windkraftanlagen betrieben werden? Ganz sicher nicht.“
Seine Argumentation ist teilweise technologischer Natur. Wind- und Solarenergie sind intermittierend, benötigen erhebliche Flächen und Materialien und erzeugen primär Strom, der jedoch nur einen Bruchteil des weltweiten Gesamtenergieverbrauchs ausmacht. Darüber hinaus argumentiert er, dass die Herstellung von Turbinen, Solarmodulen und Batterien selbst große Mengen an Energie und Kohlenwasserstoffen erfordert.
Klimawandel
Die Klimafrage steht jedoch im Mittelpunkt des Interviews. Wright betont, dass er sich seit Jahrzehnten mit dem Klimawandel beschäftigt und dessen Realität nicht leugnet. Der Anstieg des atmosphärischen Kohlendioxids sei ein reales Phänomen, und CO₂ trage zur Erwärmung bei. Er lehnt jedoch entschieden die Vorstellung ab, dass der Klimawandel die Energiepolitik dominieren sollte.
Für Wright zählt der Klimawandel nicht zu den drängendsten Problemen der Menschheit. Der in über einem Jahrhundert beobachtete Temperaturanstieg sei im Vergleich zu den üblichen Schwankungen der Lebensbedingungen relativ gering. Er verweist zudem auf das Fehlen eines steigenden Trends bei Häufigkeit und Intensität von Hurrikanen, Tornados, Überschwemmungen und Dürren.
Wichtiger noch: Wright konzentriert sich auf den Rückgang der Todesfälle durch Extremwetterereignisse. Er stellt die Hunderttausenden von Todesfällen jährlich, die Anfang des 20. Jahrhunderts auf Extremwetter zurückzuführen waren, der weitaus geringeren Zahl heute gegenüber, trotz einer deutlich größeren Weltbevölkerung. Dies belegt die enorme Schutzwirkung moderner Energieversorgung, Infrastruktur und Technologie.
Diese Schlussfolgerung ist für sein Weltbild von entscheidender Bedeutung: Energiebeschränkungen zur Beeinflussung des Klimas könnten gefährdete Bevölkerungsgruppen schwächen, anstatt sie sicherer zu machen. Moderne Gebäude, eine zuverlässige Stromversorgung und andere Infrastrukturen ermöglichen es Gesellschaften, Extremwetterereignissen besser zu widerstehen.
Wright steht dem Ziel, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen, ebenso kritisch gegenüber. Er argumentiert, dass selbst die ökonomischen Analysen der Klimapolitik zeigen, dass die Kosten für das Erreichen eines solchen Ziels dessen potenziellen Klimanutzen deutlich übersteigen könnten. In Anlehnung an die ökonomische Logik des Nobelpreisträgers William Nordhaus vertritt er die Ansicht, dass Emissionsreduktionen dann angestrebt werden sollten, wenn ihr Nutzen die Kosten übersteigt – und nicht einfach, weil sie technisch möglich sind.
Er beschreibt die Alternative als eine enorme Chance, das Leben der Menschen durch die Beendigung der Energiearmut zu verbessern.
Etwa zwei Milliarden Menschen, so Wright, nutzen zum Kochen und Heizen immer noch Holz, landwirtschaftliche Abfälle oder Dung. Die daraus resultierende Luftverschmutzung in Innenräumen verursacht laut seinen Angaben Millionen vorzeitiger Todesfälle. Wright hat darauf reagiert, indem er die „Bettering Human Lives Foundation“ gegründet hat, die Unternehmen unterstützt, die sauberere Brennstoffe zum Kochen anbieten.
Für ihn geht es um mehr als nur Gesundheit. Traditionelle Kochmethoden beanspruchen enorm viel Zeit von Frauen, insbesondere in Afrika und Südasien, wo Frauen und Kinder stundenlang Holz sammeln und Feuer hüten. Der Zugang zu modernen Brennstoffen wie Propan, so Wright, könne daher die Freiheit und die wirtschaftlichen Möglichkeiten von Frauen erheblich erweitern. „Das ist für mich mit Abstand die größte globale Energieherausforderung. Der Klimawandel spielt im Vergleich zu sauberen Brennstoffen zum Kochen keine Rolle.“
Entwicklungsländer
Dies führt direkt zu einem weiteren Kritikpunkt Wrights: wohlhabende Länder, die Entwicklungsländer davon abhalten, die Nutzung von Kohlenwasserstoffen auszuweiten. Er hält es für widersprüchlich, dass reiche westliche Nationen weiterhin stark auf Öl und Gas setzen, während sie gleichzeitig versuchen, ärmere Länder daran zu hindern, dieselben Energiequellen zur Verbesserung ihres Lebensstandards zu nutzen.
Kalifornien dient Wright derweil als warnendes Beispiel im Inland. Er argumentiert, dass aggressive Klima- und Energiepolitik zu höheren Strom- und Benzinpreisen beigetragen hat, ohne die grundlegende Abhängigkeit von Öl und Gas zu beseitigen. Kalifornien bezieht nach wie vor einen Großteil seiner Energie aus Kohlenwasserstoffen, allerdings zu höheren Kosten für die Verbraucher.
Er hinterfragt ebenso den Nutzen von Netto-Null-Politiken auf Landes- oder Bundesebene, wenn energieintensive Produktion einfach verlagert wird. Verlagert sich die Produktion von den USA oder Europa nach China oder Indien, verschwinden die mit der Produktion verbundenen Emissionen nicht zwangsläufig. Sie haben sich lediglich geografisch verlagert.
Wright sieht Erdgas als das deutlichste Beispiel für eine Technologie, die bereits zu signifikanten Emissionsreduktionen geführt hat. Die Kernenergie ist jedoch seine bevorzugte langfristige Option. Im Gegensatz zu Wind- und Solarenergie liefern Kernreaktoren kontinuierlich Strom und, so Wright, verfügen sie über die nötige Energiedichte, um die Industriegesellschaft zu versorgen. Die Kernwärme könnte zudem die für die Herstellung von Stahl, Zement, Aluminium, Kunststoffen und anderen wichtigen Materialien benötigte Hochtemperatur-Prozesswärme liefern.
Er geht davon aus, dass die Kernenergie künftig einen wesentlich größeren Anteil am globalen Energiesystem ausmachen wird. Auch die Kernfusion betrachtet er mit Begeisterung, obwohl er einräumt, dass sie erst wirtschaftlich wettbewerbsfähig werden muss, bevor sie in großem Maßstab eingesetzt werden kann. Zudem verweist er auf die Geothermie der nächsten Generation als eine weitere potenziell wichtige Quelle zuverlässiger Stromversorgung.
Offenheit
Der gemeinsamer Nenner ist die technologische Offenheit. Wright erklärt, die Regierung sei nicht gegen Innovationen im Bereich Solarenergie oder anderer Technologien; vielmehr wende sie sich gegen die Subventionierung von Technologien mit begrenztem Potenzial und gleichzeitig gegen die Einschränkung von Technologien, die derzeit zuverlässige und bezahlbare Energie liefern.
Wrights Sichtweise auf den rasant steigenden Strombedarf von künstlicher Intelligenz und Rechenzentren ist von derselben Philosophie geprägt. Er verwirft die These, Rechenzentren würden einfach nur Strom und Wasser „verschlingen“ und damit die Kosten für alle anderen in die Höhe treiben. Stattdessen argumentiert er, dass neue Rechenzentren Investitionen in zusätzliche Erzeugungskapazitäten anregen können.
Laut Wright beteiligen sich Unternehmen wie Google im Rahmen ihrer Rechenzentrumsprojekte an der Finanzierung neuer Stromerzeugungsanlagen und sichern sich dabei mitunter Strompreise für mehrere Jahre. Das Ergebnis, so argumentiert er, könne eine höhere Stromerzeugung und eine größere Netzstabilität anstelle höherer Preise sein.
Er argumentiert ähnlich hinsichtlich des Wasserverbrauchs. Behauptungen, Rechenzentren würden enorme Mengen Wasser verbrauchen, seien übertrieben, insbesondere da viele neue Anlagen geschlossene Kühlkreisläufe nutzten. Wright vergleicht ihren Wasserverbrauch mit dem der Landwirtschaft und von Golfplätzen und argumentiert, die öffentliche Debatte sei eher von Angst als von einer sorgfältigen Analyse der Zahlen geprägt.
Wirtschaftliche Chancen
Allen diesen Argumenten liegt Wrights Überzeugung zugrunde, dass ein Überangebot an Energie auch die wirtschaftlichen Chancen wiederherstellen kann. Der Ausbau von Produktion und Baugewerbe, kombiniert mit neuen Rechenzentren und Infrastruktur, könnte zahlreiche qualifizierte Arbeitsplätze außerhalb der traditionellen amerikanischen Wirtschaftszentren schaffen. Wright hält dies insbesondere für ländliche Gemeinden für wichtig, die Industriearbeitsplätze verloren haben.
Er prognostiziert, dass die Nachfrage nach Fachkräften das Angebot zunehmend übersteigen wird, was die Löhne in die Höhe treiben und junge Menschen zu technischen Berufen animieren wird. In seiner Vision ist Energieüberfluss daher nicht nur eine Energiepolitik. Er ist Teil einer umfassenderen Strategie zur Wiederbelebung des verarbeitenden Gewerbes, zur Steigerung der Produktivität und zur Wiederherstellung der wirtschaftlichen Mobilität.
Wright ist außerdem überzeugt, dass sich die politische Landschaft verändert. Er gibt an, mit demokratischen Senatoren und Gouverneuren gesprochen zu haben und behauptet, die Schärfe der Klimarhetorik habe deutlich nachgelassen. Als Beispiel nennt er Gouverneure aus Neuengland, die sich einst gegen den Ausbau der Erdgasinfrastruktur ausgesprochen hatten, nun aber neue Gaspipelines befürworten, um zu zeigen, wie praktische Energiebedürfnisse politische Positionen verändern können.
Sein eigentliches Ziel ist nicht, die Amerikaner von einer bestimmten Energiequelle zu überzeugen. Vielmehr möchte er die Debatte grundlegend verändern. „Wir versuchen lediglich, Vernunft und Wissenschaft wieder in den Vordergrund zu rücken.“
Wrights Vision ist daher bewusst umfassend. Öl, Gas und Kohle bleiben in seinen Augen unverzichtbar, da sie derzeit Energie in einem Umfang und zu Kosten liefern, die Alternativen nicht erreichen können. Er wünscht sich aber auch, dass sich Kernenergie, Geothermie, Fusion und neue Technologien so schnell entwickeln, dass sie schließlich mit Kohlenwasserstoffen konkurrieren und diese gegebenenfalls ersetzen können, wo dies wirtschaftlich und technologisch sinnvoll ist.
Optimistisch
Das Interview endet mit einem bemerkenswert optimistischen Ausblick. Wright prognostiziert, dass sich die Strompreise zunächst stabilisieren und, sofern die Politik seiner Regierung fortgesetzt wird, nominal schließlich sinken werden. Ebenso zuversichtlich ist er, dass die Benzinpreise mit steigender amerikanischer Energieproduktion zurückgehen können.
Für Wright ist dieser Optimismus kein Zufall. Er ist das eigentliche Ziel des Energieüberflusses. Anstatt den Menschen zu sagen, dass Wohlstand einen geringeren Konsum und höhere Kosten erfordert, um eine Klimakatastrophe abzuwenden, argumentiert er, dass die Zukunft auf der Produktion von mehr Energie, der Entwicklung besserer Technologien und dem Ausbau des Zugangs zu modernen Lebensstandards beruhen sollte.
Seine zentrale Botschaft lautet: Die größte Energieherausforderung der Menschheit besteht nicht darin, dass zu viel Energie verbraucht wird, sondern darin, dass Milliarden von Menschen immer noch viel zu wenig verbrauchen. Die politische Frage ist daher nicht, wie schnell Gesellschaften den Energieverbrauch senken können, sondern wie schnell sie eine zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung ausbauen können. „Die Welt braucht einfach massiv mehr Energie.“
Übersetzung: Eric Vieira
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