Jonathan Cohler: „Der Anstieg des atmosphärischen CO2 ist nicht menschengemacht“.
Der Physiker Jonathan Cohler hat eine kontroverse und kompromisslose Herausforderung an eine der zentralen Annahmen der modernen Klimawissenschaft und -politik formuliert. Er argumentiert, dass der Anstieg des atmosphärischen Kohlendioxids in den letzten Jahrzehnten nicht auf menschliche Emissionen zurückzuführen ist, sondern das Ergebnis natürlicher Prozesse.
Jonathan Cohler während seiner (Fern-)Präsentation für EIKE.
Clintel Foundation
Datum: 3. September 2026
Die Schlussfolgerung des Physikers und KI-Forschers Jonathan Cohler in seinem jüngsten (per Videokonferenz gehaltenen) Vortrag auf der EIKE-Konferenz in Halle war eindeutig. Der Anstieg des atmosphärischen CO₂, so argumentierte er, sei überwiegend auf natürliche Prozesse zurückzuführen, während der Beitrag der Verbrennung fossiler Brennstoffe vernachlässigbar sei. Seine Argumentation stützt sich hauptsächlich auf eine Analyse des durch Atomwaffentests verursachten Rückgangs des atmosphärischen Kohlenstoff-14.
Die vollständige Präsentation können Sie unten ansehen:
Cohlers Präsentation für EIKE beschränkte sich nicht auf CO₂. Er behauptet, eine Kette sich gegenseitig verstärkender Annahmen des Weltklimarats (IPCC) widerlegt zu haben. Er argumentierte, dass die globale mittlere Oberflächentemperatur, Klimamodelle, der Wärmegehalt der Ozeane und das angebliche Energieungleichgewicht der Erde entweder physikalisch bedeutungslos oder durch Beobachtungen unzureichend belegt seien. Das letzte Glied in dieser Kette, so sagte er, sei die Zuordnung des steigenden CO₂-Gehalts in der Atmosphäre durch den IPCC auf menschliche Aktivitäten.
Der Atombombentest als natürliches Experiment
Seine wichtigsten Erkenntnisse über das atmosphärische CO₂ stammen aus dem von ihm sogenannten „Bomben-Radiokohlenstoff-Experiment“. Zwischen 1955 und 1963 verdoppelten atmosphärische Atomwaffentests die Menge des (chemisch identischen) Isotops Kohlenstoff-14, auch Radiokohlenstoff genannt, in der Atmosphäre (in CO₂-Molekülen). Fast alle Kohlenstoffatome in der Atmosphäre sind in CO₂-Molekülen enthalten.
Nach dem Ende der atmosphärischen Atomtests begann der Überschuss an Radiokohlenstoff in der Atmosphäre abzunehmen. Da der ursprüngliche „Impuls“ plötzlich erzeugt wurde und sein anschließendes Verschwinden über Jahrzehnte gemessen werden konnte, betrachtet Cohler die Radiokohlenstoffdaten der Atombomben als ein ungewöhnlich sauberes natürliches Experiment. „Die Atmosphäre lieferte uns die Antwort“, sagte er.
Cohler und sein Co-Autor Willie Soon haben Radiokarbonmessungen aus mehr als fünf Jahrzehnten ausgewertet. Sie kamen zu dem Schluss, dass der Radiokohlenstoffüberschuss einem nahezu perfekten monoexponentiellen Abfall mit einer charakteristischen Zeitskala von etwa 18,4 Jahren folgt. Dies stellt er den deutlich längeren Zeitskalen gegenüber, die in den Kohlenstoff-Kreislaufmodellen des IPCC verwendet werden.
Diese Unterscheidung ist für seine Argumentation entscheidend. Die Kohlenstoff-Kreislaufberechnungen des IPCC verwenden Impulsantwortfunktionen mit mehreren Exponentialkomponenten und einem permanenten Anteil an atmosphärischem CO₂. Diese Modelle implizieren folglich, dass ein erheblicher Teil einer Emission über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende in der Atmosphäre verbleibt.
Cohler argumentiert, dass die Beobachtungen des Atombomben-Radiokohlenstoffs eine so langlebige atmosphärische Komponente nicht belegen. Er weist zudem darauf hin, dass sich die charakteristischen Zeitskalen und permanenten Anteile der vom IPCC veröffentlichten Kohlenstoff-Kreislaufmodelle zwischen den Sachstandsberichten erheblich verändert haben. Seiner Ansicht nach belegen diese Änderungen, dass die Parameter eher auf Modellannahmen beruhen als auf unveränderlichen Eigenschaften des Kohlenstoffkreislaufs.
Der auffälligste Vergleich ergab sich aus der Menge an Radiokohlenstoff, die nach 54 Jahren noch vorhanden war. Laut Cohler sagen die IPCC-Modelle voraus, dass zwischen 33 und 48 Prozent eines Impulses erhalten bleiben würden, während das beobachtete Radiokohlenstoffsignal der Atombombe nur etwa 4 Prozent anzeigt.
Für Cohler geht es hier nicht um die Feinabstimmung eines Modells. Es ist ein Beweis dafür, dass die mathematische Struktur des Modells grundlegend falsch ist.
Parallele versus serielle Kohlenstoffflüsse
Cohlers Kritik geht über die numerischen Parameter hinaus. Er argumentiert, dass die IPCC-Kohlenstoffkreislaufmodelle die Kohlenstoffspeicher in der falschen physikalischen Konfiguration beschreiben.
Der IPCC-Ansatz, so argumentiert er, behandelt die Atmosphäre im Grunde als ein System aus mehreren parallel funktionierenden Speichern, von denen jeder seine eigene Abbauzeit hat. Laut Cohler ist der physikalische Kohlenstoffkreislauf jedoch primär seriell: Kohlenstoff gelangt von der Atmosphäre in die Meeresoberfläche, von dort in tiefere Schichten und schließlich in die Tiefsee.
Dieser Unterschied, so argumentiert er, führt zu einem radikal anderen mathematischen Verhalten. Seiner Interpretation zufolge ist der „lange Ausläufer“ in den IPCC-Modellen daher kein in der Natur entdecktes Phänomen, sondern ein Produkt der mathematischen Architektur, die dem Kohlenstoffkreislauf auferlegt wird.
Dies ist der Kern von Cohlers umfassenderer Kritik am Konzept der kumulativen Kohlenstoffbudgets. Wenn eine Emission nicht über Jahrhunderte oder Jahrtausende in der Atmosphäre verbleibt, argumentiert er, dann ändert sich die Begründung dafür, die heutigen Emissionen als langfristige Anreicherung in der Atmosphäre zu betrachten, grundlegend.
Kohlenstoffisotope liefern einen zweiten Test
Cohler wandte sich daraufhin Messungen des Kohlenstoffisotops Kohlenstoff-13 zu, die er als unabhängigen Test der Radiokohlenstoffanalyse präsentierte. Verschiedene CO₂-Quellen weisen unterschiedliche Isotopensignaturen auf. Fossile Brennstoffe sind relativ arm an Kohlenstoff-13, während natürliche Quellen wie die terrestrische Atmung und die ozeanische Ausgasung andere Signaturen aufweisen. Wenn Emissionen aus fossilen Brennstoffen für einen wesentlichen Teil des Nettoanstiegs des atmosphärischen CO₂ verantwortlich wären, argumentiert Cohler, müsste die Isotopenzusammensetzung des Nettoeintrags folglich zunehmend negativ werden (mit weniger Kohlenstoff-13).
Er zitierte eine Analyse von Demetris Koutsoyiannis, die über vier Jahrzehnte (1978 bis 2022) hinweg Messungen von vier Luftmessstationen in beiden Hemisphären umfasste. Laut Cohler blieb die Isotopensignatur des Netto-CO₂-Eintrags annähernd konstant, ohne signifikanten Trend. Dies sei, so argumentiert er, unvereinbar damit, dass die Verbrennung fossiler Brennstoffe die Hauptursache für den beobachteten Anstieg sei.
Cohlers drittes Beweismittel ist eine Massenbilanzberechnung. Er verglich den Anstieg des atmosphärischen CO₂ mit den gesamten natürlichen und anthropogenen Kohlenstoffflüssen. Im untersuchten Zeitraum, so Cohler, stieg der jährliche CO₂-Eintrag von etwa 179 Gigatonnen auf 241 Gigatonnen. Der anthropogene Anteil erhöhte sich von etwa 2,5 auf 4,7 Prozent des Gesamtflusses, während der natürliche Eintrag um mehr als 30 Prozent zunahm. Besonders wichtig für Cohler war, dass der natürliche Fluss im Untersuchungszeitraum bemerkenswert genau der atmosphärischen CO₂-Masse folgte.
Er argumentiert, dass diese drei unabhängigen Ansätze – der Zerfall des durch Atombomben erzeugten Radiokohlenstoffs, die Kohlenstoff-13-Signatur des Nettoeintrags und die Massenbilanz – alle zum selben Schluss führen: „Der Anstieg des atmosphärischen CO2-Gehalts über 62 Jahre ist natürlichen Ursprungs“, erklärte er dem Publikum. „Der menschliche Beitrag zu diesem Anstieg ist vernachlässigbar.“
Ein Angriff auf die Grundlagen der Klimazuordnung
Cohler bettete die CO₂-Debatte dennoch in eine umfassendere Kritik am IPCC ein. Seine Präsentation gliederte sich in fünf „Knotenpunkte“, die seiner Ansicht nach eine kreisförmige Kette bilden. Zunächst nannte er die globale mittlere Oberflächentemperatur, die laut Cohler keine physikalisch sinnvolle Größe darstellt, da Temperatur eine intensive Größe ist und die Erdatmosphäre, die Ozeane und das Land ein heterogenes Nichtgleichgewichtssystem bilden. Ausgehend von dieser Prämisse griff er den Kalibrierungsprozess von Klimamodellen an und argumentierte, dass diese so eingestellt seien, dass sie eine Größe reproduzieren, für die es keine eindeutige physikalische Definition gibt.
Anschließend stellte er die Schätzungen des IPCC zum Wärmegehalt der Ozeane infrage, insbesondere jene, die aus dem Argo-Beobachtungssystem abgeleitet wurden, und argumentierte, dass das angebliche Energieungleichgewicht der Erde von Null nicht zu unterscheiden sei, sobald Mess- und Stichprobenunsicherheiten angemessen berücksichtigt würden.
Diese Behauptungen sind für seine CO₂-Argumentation relevant, da Cohler das gesamte Klimaattributionsmodell als zirkulär betrachtet. Modelle werden anhand berechneter globaler Temperaturdaten kalibriert; anschließend werden sie verwendet, um den Strahlungsantrieb und die Energiebilanz zu schätzen. Diese Größen dienen dann dazu, die Erwärmung Treibhausgasen zuzuschreiben.
Die Kohlenstoffkreislaufmodelle bilden das letzte Bindeglied. Wenn sie die atmosphärische Persistenz von CO2 falsch beschreiben, argumentiert Cohler, dann verlieren die daraus resultierenden Berechnungen des Treibhauspotenzials, der Kohlenstoffbilanzen und der Netto-Null-Pfade ihre physikalische Grundlage.
Eine Herausforderung mit weitreichenden Folgen
Die Präsentation ging daher weit über die Diskussion um das genaue Ausmaß des menschlichen Einflusses auf das atmosphärische CO₂ hinaus. Cohler stellte eine viel grundlegendere These auf: Die vorherrschende Kausalerzählung, die der gegenwärtigen Klimapolitik zugrunde liegt, basiert auf mathematischen Annahmen, die direkten Beobachtungen widersprechen. Ob diese Interpretation einer kritischen Prüfung durch die breitere wissenschaftliche Gemeinschaft standhält, ist eine andere Frage.
Übersetzung: Eric Vieira
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