„Die Forschung von Henrik Svensmark muss fortgesetzt werden“
Henrik Svensmark hat seine Position an der Technischen Universität Dänemark (DTU) verloren, und das von ihm mitbegründete Forschungsgebiet wird fortan deutlich abgewertet. Nun haben private Spender, Unternehmen, Stiftungen und Forschungsförderer weltweit die Gelegenheit, zu beweisen, ob sie die wissenschaftliche Freiheit wirklich unterstützen – auch Forschung, bei der die politisch opportunistische Antwort nicht im Voraus feststeht, so Karl Iver Dahl-Madsen.
Henrik Svensmark, ein Standbild aus dem Dokumentarfilm „Climate: The Movie“
Karl Iver Dahl-Madsen
Datum: 22. August 2026
Ich bin aufrichtig empört über die Art und Weise, wie Henrik Svensmark behandelt wurde.
Hier haben wir einen international anerkannten Wissenschaftler, der fast 30 Jahre lang eine der interessantesten Hypothesen der Klimaforschung untersucht hat. Dennoch hat er seine Stelle an der DTU verloren, während das von ihm mitbegründete Forschungsprogramm drastisch gekürzt wird. Man könnte fast meinen, moderne Forschungssysteme verfügten über reichlich Geld für sichere, modische und unproblematische Projekte, zögerten aber seltsamerweise, wenn es um Fragen ginge, die unser Verständnis der Welt tatsächlich verändern könnten.
Wichtig ist jetzt jedoch nicht, eine endlose Nachbetrachtung von Svensmarks Anstellung an der DTU zu führen. Wichtig ist vielmehr, die Fortsetzung der Forschung zu gewährleisten, was die Sicherung von Fördermitteln, Ausrüstung, Kooperationspartnern und eines neuen wissenschaftlichen Umfelds erfordert, in dem die Arbeit fortgeführt werden kann.
Andernfalls droht ein ganzes Forschungsprogramm zu verschwinden, nicht weil die Hypothese widerlegt wurde, sondern weil die finanziellen Mittel und die institutionelle Unterstützung weggebrochen sind.
Das wäre wissenschaftlich unklug und wirtschaftlich unverantwortlich.
Worum geht es bei dieser Forschung?
Svensmarks Grundidee lässt sich auch ohne Physikstudium erklären. Die Erde wird ständig von kosmischer Strahlung aus dem Weltraum getroffen. Diese Strahlung erzeugt elektrisch geladene Teilchen in der Atmosphäre, die das Wachstum winziger Partikel in der Luft begünstigen. Unter den richtigen Bedingungen kondensiert dann Wasserdampf an diesen Partikeln, wodurch sie sich zu Wolkenkondensationskernen entwickeln können – praktisch gesehen, zu den Keimen, aus denen Wolken entstehen.
Wolken sind wichtig, weil sie die Erdtemperatur auf verschiedene Weise beeinflussen. Sie können einfallendes Sonnenlicht zurück ins Weltall reflektieren und gleichzeitig Wärme zurückhalten, die sonst entweichen würde. Gleichzeitig kann die Sonnenaktivität die Menge der kosmischen Strahlung beeinflussen, die die Atmosphäre erreicht. Dadurch entsteht eine plausible physikalische Kette, die Sonnenaktivität, kosmische Strahlung, Wolkenbildung und letztlich die Erdtemperatur miteinander verbindet.
Mehrere Glieder dieser Kette wurden durch Experimente und Beobachtungen nachgewiesen. Die große, noch offene Frage ist, wie stark der Gesamteffekt in der realen Atmosphäre ist.
Svensmark hat daher keine endgültige Antwort auf die Frage geliefert, welchen Beitrag Sonnenaktivität und kosmische Strahlung zu den heutigen Temperaturveränderungen leisten. Seine Hypothese wurde aber auch nicht widerlegt, und diese Unterscheidung ist entscheidend. Eine Hypothese, die physikalisch plausibel und empirisch überprüfbar bleibt, sollte nicht allein deshalb verworfen werden, weil sie unbequem oder unmodern ist.
Die Wissenschaft entscheidet nicht per Handzeichen, ob eine Hypothese richtig oder falsch ist. Sie tut dies, indem sie sie so gründlich wie möglich prüft.
Der nächste entscheidende Schritt
Im nächsten Schritt sollte der Svensmark-Mechanismus in ein globales Klimamodell integriert werden, um die gesamte Kette abzubilden: von der Sonnenaktivität und kosmischen Strahlung über die Aerosolbildung und Wolkenprozesse bis hin zu den daraus resultierenden Temperatureffekten. Die Modellergebnisse können dann mit den bereits vorhandenen umfangreichen Beobachtungsdaten verglichen werden.
Sollte die Modellierung zeigen, dass der Mechanismus nur geringe klimatische Bedeutung hat, gewinnen wir wichtige Erkenntnisse und können den Bereich plausibler Erklärungen für natürliche Klimaschwankungen eingrenzen. Zeigt sie hingegen, dass der Effekt erheblich ist, könnten die Konsequenzen weitreichender sein und eine Neubewertung der Darstellung einiger natürlicher Klimaeinflüsse erforderlich machen.
Beide Ergebnisse sind wissenschaftlich nützlich. Die Forschung einzustellen und die Frage unbeantwortet zu lassen, ist es nicht.
Die Folgen reichen weit über die Universitäten hinaus. Klima- und Energiepolitik umfasst enorme Summen und beeinflusst Energiepreise, Investitionsentscheidungen, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, die Beschäftigung und den Lebensstandard der Bevölkerung. Daher ist es keine nebensächliche akademische Angelegenheit, ob Klimamodelle die wichtigsten natürlichen Einflüsse auf das Klimasystem korrekt abbilden.
Ich habe das geplante Projekt und seinen Finanzierungsbedarf in meinem Blog ausführlicher beschrieben. Die Arbeit erfordert Wissenschaftler, Modellierungskapazitäten und eine mehrjährige Finanzierung. Das ist natürlich nicht kostenlos, aber angesichts der enormen Summen, die international für Klima- und Energiepolitik ausgegeben werden, sind die Kosten gering bis fast vernachlässigbar.
Svensmark ist ein anerkannter Wissenschaftler
Henrik Svensmark ist kein Forscher, dessen Arbeit ungelesen in irgendeinem akademischen Archiv verstaubt. Gemessen an den gängigen Kriterien der Wissenschaftsgemeinschaft – Publikationen, Zitationen, internationale Wirkung und Interesse an einzelnen Artikeln – bleibt er ein anerkannter und hochrelevanter Wissenschaftler.
Mehrere seiner jüngsten Veröffentlichungen zählen zu den meistgelesenen Publikationen des internationalen Wissenschaftsverlags Wiley. Eine Arbeit über Supernovae und die Einlagerung von organischem Kohlenstoff gehörte zu den zehn Prozent der am häufigsten heruntergeladene Artikel in Geophysical Research Letters. Eine spätere Arbeit, die den Zusammenhang zwischen Supernovae und der Biodiversität auf der Erde untersuchte, wurde zu einem der meistgelesenen Artikel in Ecology and Evolution, und 2025 erhielt Svensmark eine weitere Auszeichnung als „Meistgelesener Artikel“ für seine Forschung zur Bildung von Kondensationskernen in Meereswolken.
Eine seiner Arbeiten wurde mehr als 8000-Mal aufgerufen oder heruntergeladen und erreichte einen Altmetric-Score von 330.
Nichts davon beweist, dass jede Hypothese Svensmarks richtig ist, und das sollte es auch nicht. Wissenschaft ist kein Popularitätswettbewerb, und selbst eine viel heruntergeladene Publikation kann falsch sein. Doch diese Zahlen machen es schwer, zu argumentieren, seine Forschung sei irrelevant, erschöpft oder von keinem internationalen Interesse.
Es ist daher ausgesprochen absurd, dass ein Forschungsprogramm in Dänemark genau in dem Moment abgebaut wird, während Forscher und Leser auf der ganzen Welt die Arbeit weiterhin lesen, diskutieren und hervorheben.
Forschung sollte nicht immer gemütlich sein
Weltweit erklären große Stiftungen, philanthropische Organisationen und Forschungsfonds, dass sie herausragende, innovative und wirkungsvolle Wissenschaft fördern wollen. Sie sprechen von intellektuellem Mut, Entdeckungen, bahnbrechender Forschung und der Bereitschaft, Risiken einzugehen.
Hier bietet sich die Gelegenheit, zu beweisen, dass sie es ernst meinen.
Das Problem ist gewiss nicht spezifisch dänisch. Überall fließt zu viel Forschungsgeld in Projekte, die so sorgfältig auf die vorherrschenden politischen und akademischen Moden abgestimmt sind, dass sich wohl niemand in einem Bewilligungsausschuss unwohl fühlt. Die Anträge verwenden das richtige Vokabular, thematisieren die richtigen Prioritäten und versprechen Ergebnisse, die jeder bedenkenlos begrüßen kann.
Das Ergebnis kann eine Art akademische Bestätigungsindustrie werden: ein weiteres Projekt, das lediglich eine Dezimalstelle verschiebt, die ohnehin schon die weitverbreiteten Erwartungen bestätigt und den Forschern einen weiteren Eintrag in ihrem Lebenslauf beschert. Solche Forschung mag technisch einwandfrei und professionell durchgeführt sein, doch das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie den menschlichen Wissensstand wesentlich erweitert.
Bedeutende wissenschaftliche Durchbrüche entstehen selten im sichersten Bereich des intellektuellen Spektrums. Sie ergeben sich meist dann, wenn jemand eine Frage stellt, die andere übersehen haben, einen Zusammenhang erkennt, den andere verworfen haben, oder auf der Untersuchung eines Sachverhalts besteht, den eine komfortable Mehrheit lieber als geklärt betrachten würde.
Svensmarks Projekt ist in genau diesem nützlichen wissenschaftlichen Sinne riskant. Das Ergebnis ist ungewiss. Manche werden die Fragestellung ablehnen, manche werden sich sogar darüber ärgern, dass sie überhaupt gestellt wird. Das ist jedoch kein Grund, die Forschung zu meiden. Im Gegenteil, es ist einer der Gründe, warum sie so interessant ist.
Der potenzielle Nutzen ist beträchtlich. Eine gründliche Überprüfung des Mechanismus könnte entweder zeigen, dass seine klimatische Bedeutung gering ist und damit eine wichtige wissenschaftliche Frage geklärt würde, oder sie könnte aufdecken, dass natürliche, solare Prozesse eine größere Rolle spielen als in einigen Klimabewertungen bisher angenommen.
So oder so wäre das Ergebnis wertvoll.
Wenn Forschung dieser Art keine Aufgabe für ambitionierte wissenschaftliche Philanthropie ist, was dann?
Viele kleine Bäche – und vorzugsweise einen großen dazu
Es wird derzeit an einer internationalen Crowdfunding-Kampagne und einem tragfähigen Organisationsrahmen für das Forschungsprojekt gearbeitet. Doch was wir jetzt brauchen, ist mehr als nur Geld. Wir benötigen auch Menschen, die Kontakte knüpfen, das Projekt bekannt machen und diejenigen erreichen, die über die nötigen Ressourcen und den Mut verfügen, es zu unterstützen.
Wenn Sie jemanden bei einer großen Stiftung, einem Verwalter privater Großvermögen, einem internationalen Forschungsfonds, einem Großunternehmen oder im privaten Sektor kennen, der über die Mittel verfügt, seriöse, unabhängige Forschung zu finanzieren, nehmen Sie Kontakt auf. Besonders wertvoll sind Personen, die verstehen, dass wertvolle Forschung keine Garantie für ideologisch genehme Ergebnisse bietet.
Auch wer persönlich beitragen kann, ist herzlich willkommen. Das Projekt muss nicht mit einem Milliardär, einem Privatjet und einem Schloss in Schottland beginnen. Viele kleinere Spenden helfen, Fachwissen, Personal und Ausrüstung zu sichern, während die dauerhafte Finanzierung aufgebaut wird. Gerade bei einem Projekt dieser Art ist Kontinuität entscheidend. Ist ein Forschungsumfeld erst einmal abgebaut, lässt es sich deutlich schwieriger und teurer wieder aufbauen.
Wir suchen daher nach größeren Zusagen, kleineren Spenden, Kontakten zu Stiftungsräten und Großvermögenverwaltern, Expertise in der internationalen Wissenschaftsförderung, institutionellen Partnern und Unterstützung beim Crowdfunding. Wer finanzielle Mittel, Kontakte oder praktische Erfahrung einbringen möchte, kann sich direkt an Klimarealisme wenden.
Auch für die internationale Philanthropie stellt sich hier eine weitergehende Herausforderung. Stiftungen in den USA, Europa, Großbritannien, Kanada, Australien, Asien und anderen Ländern verwalten Milliarden von Dollar und geben ausdrücklich an, Wissenschaft, Forschung, geistige Freiheit und den menschlichen Fortschritt zu fördern.
Einige werden dieses Projekt zweifellos als zu kontrovers empfinden. Gut. Wir brauchen nicht alle.
Wir brauchen eine Handvoll mutiger Menschen.
Irgendwo in der globalen Philanthropie-Welt muss es noch Menschen geben, die verstehen, dass der Zweck der Wissenschaftsfinanzierung nicht einfach darin besteht, Schlussfolgerungen zu finanzieren, die uns bereits gefallen.
Hier geht es nicht darum, Svensmark zu glauben
Dieser Aufruf ist keine weitere Einladung zu einer endlosen Klimadebatte und verlangt auch nicht, dass man Henrik Svensmark im Voraus zustimmt. Ich bitte Spender nicht, ein vorgefasstes Ergebnis zu finanzieren oder sich zu einer bestimmten klimawissenschaftlichen Sichtweise zu bekennen.
Ich bitte sie, einen strengen Test einer wichtigen, physikalisch plausiblen und überprüfbaren wissenschaftlichen Hypothese zu finanzieren.
Das ist der Kern der wissenschaftlichen Freiheit.
Henrik Svensmark hat den Großteil seines Berufslebens der Entwicklung dieses Forschungszweigs gewidmet. Dass ein so versierter und origineller Wissenschaftler nicht automatisch das Forschungsumfeld und die Finanzierung erhält, die für den nächsten entscheidenden Schritt notwendig sind, ist, ehrlich gesagt, eine Schande.
Vergessen Sie also das höfliche Nicken. Rufen Sie den wohlhabenden Onkel an. Schreiben Sie an den Stiftungsvorstand. Kontaktieren Sie den Vermögensverwalter. Sprechen Sie mit dem Unternehmer. Leiten Sie diesen Artikel an die Person weiter, die Ihnen tatsächlich Türen öffnen kann.
Irgendwo auf der Welt gibt es noch Spender, die verstehen, dass wirklich unabhängige Forschung manchmal unbequeme Themen aufwerfen muss.
Wir müssen sie nur noch finden.
Übersetzung: Eric Vieira
Dieser Artikel wurde zuerst in dänischer Sprache in „Kontrast“ am 6. August 2026 veröffentlicht: Svensmarks Forschung muss fortgesetzt werden.

Karl Iver Dahl-Madsen
Karl Iver Dahl-Madsen ist unabhängiger Berater (Inhaber der Dahl-Madsen ApS), Vorsitzender des Vorstands des dänischen klimaskeptischen Vereins Klimarealisme und tritt regelmäßig in dänischen Medien zu Klimapolitik, Energie und Umweltthemen auf. Mehr Informationen: https://klimarealisme.dk/
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