Ideologen versuchen, ein Stromnetz zu errichten, das ausschließlich mit „erneuerbaren“ Energien betrieben wird
Die Insel El Hierro hat nur etwa 11.000 Einwohner, doch 2008 wollte sie der Welt zeigen, wie ein vollständiger Übergang zu einem ausschließlich auf Windkraft basierenden Stromsystem mit einem Wasserkraftspeicher gelingt. Francis Menton fragt sich, was seitdem geschehen ist.
In meinem Beitrag vom 18. Oktober schilderte ich, wie ungebildete Ideologen der Kommunistischen Partei Chinas Ende der 1950er-Jahre sich einbildeten, sie wüssten, wie man unbegrenzte landwirtschaftliche Produktion erreichen könne, indem sie einfach jeder Gemeinde befahlen, große, willkürliche Mengen an Nahrungsmitteln zu produzieren. Wollte man die Getreideproduktion verdoppeln? Dann säte man einfach doppelt so viele Samen auf derselben Fläche! Die Ideologen hatten keine Ahnung, wie Landwirtschaft in der Realität funktionierte. Innerhalb weniger Jahre kam es zu einer weitverbreiteten Hungersnot, wahrscheinlich der größten in der Weltgeschichte. Zehn Millionen Menschen starben einen qualvollen Hungertod.
Am Ende jenes Beitrags merkte ich an, dass hier im Westen ähnlich ignorante Ideologen – und das schon seit einigen Jahrzehnten – eine Energiewende vorantreiben, um die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen hauptsächlich durch die Erzeugung aus unbeständiger Wind- und Sonnenenergie zu ersetzen. Die heutigen Energiewende-Ideologen haben ein vergleichbares Unwissen über die Funktionsweise eines Stromnetzes wie die chinesischen Agrar-Ideologen. Wie entwickelt sich das Ganze?
El Hierro
Im Bereich der Energiewende haben diverse Länder und US-Bundesstaaten ihre gesamte Bevölkerung als Versuchskaninchen für dieses groß angelegte Experiment zur Verfügung gestellt, das von Leuten durchgeführt wird, die keine Ahnung haben, was sie tun. Deutschland, Großbritannien, Kalifornien und New York sind prominente Beispiele. Am anderen Ende des Spektrums steht El Hierro, die kleinste der Kanarischen Inseln. El Hierro hat nur etwa 11.000 Einwohner, doch 2008 wollte die Insel der Welt zeigen, wie ein vollständiger Übergang zu einem Stromsystem gelingt, das ausschließlich auf Windkraftanlagen mit einem Wasserkraftspeicher basiert.
Ich habe bereits mehrfach über die Fortschritte des El-Hierro-Systems berichtet, beispielsweise hier im Jahr 2022, hier im Jahr 2023 und hier im Jahr 2024. Mein letztes Update liegt jedoch schon über zwei Jahre zurück. Daher ein kurzer Überblick.
Das Besondere an El Hierro ist, dass die Initiatoren tatsächlich glaubten, ein vollwertiges Stromnetz allein auf Basis von Windkraftanlagen und Speichern errichten zu können. Das wissen wir, weil sie es wiederholt betont haben. Doch in ihrer fast schon religiösen Hingabe an die Sache nahmen sie sich nie die Zeit für die einfachen Rechenaufgaben, die die Unmöglichkeit dieses Vorhabens aufgezeigt hätten.
Gorona des Windes
Das Wind- und Speicherkraftwerk El Hierro trägt den Namen Gorona del Viento. Es nahm 2013 seinen Betrieb auf. Die Betreibergesellschaft Gorona del Viento verfügt über eine Website mit umfangreichen englischsprachigen Abschnitten, auf der man die Angaben des Unternehmens einsehen und mit der tatsächlichen Leistung vergleichen kann. Von der Startseite:
Eine Insel, die zu 100 % mit erneuerbarer Energie versorgt wird. … Das Windkraftwerk Gorona del Viento auf El Hierro, Südaustralien, versorgt die Insel Meridian mit Strom aus sauberen, erneuerbaren Energiequellen wie Wasser und Wind. Der Windpark hat die Kapazität, den Strombedarf von El Hierro vollständig zu decken. Überschüssige Windenergie, die nicht von der Inselbevölkerung verbraucht wird, wird genutzt, um Wasser von einem unteren in ein höheres Becken zu pumpen. Dieses Wasser wird im oberen Becken gespeichert und zur Stromerzeugung mittels hydraulischen Sprungs verwendet, wenn die Windkraft nicht ausreicht.
Sie rühmen sich ausdrücklich damit, dass die Insel zu 100 % mit erneuerbarer Energie versorgt wird und der Windpark die Kapazität besitzt, den Strombedarf vollständig zu decken. Tatsächlich verfügt der Windpark über deutlich mehr Kapazität – vorausgesetzt, die Nennleistung ist der entscheidende Faktor für die Bedarfsdeckung. Auf der Website erfährt man, dass der Windpark eine Nennleistung von 11,5 MW hat, während der durchschnittliche Strombedarf der Insel unter 5 MW liegt. Es gibt also mehr als eine doppelte Überdimensionierung. Mit einem großen, erhöhten Pumpspeicherkraftwerk zur Speicherung von Energie für windstille Zeiten sollte das Ziel doch eigentlich erreicht werden.
Nach den ersten Betriebsjahren begann Gorona del Viento 2018 mit der Veröffentlichung detaillierter Statistiken zur Systemleistung. Dieser Link führt zu einer Seite mit weiteren Links zu einzelnen Seiten mit den Statistiken für 2018 und die Folgejahre. Im ersten Berichtsjahr, 2018, deckte das Wind-/Speichersystem 56 % des Strombedarfs der Insel. Den Rest lieferte ein Dieselgenerator, der (glücklicherweise) als Reserve bereitgehalten worden war. Doch danach verbesserte sich die Situation nicht mehr wesentlich. 2019 lag der Anteil bei 54 %, 2020 bei 42 %, 2021 bei 48 %, 2022 ebenfalls bei 48 % und 2023 nur noch bei 35 %. Für 2024 werden 45 % prognostiziert und für 2025 44 %. Hier ist das Balkendiagramm für 2023:
„Llanos Blancos“ bezeichnet das Diesel-Notstromaggregat.
Auf der Titelseite wird also mit „100 % erneuerbarer Energie“ geworben, aber in der Realität haben sie über ein ganzes Jahr hinweg bestenfalls etwas über 50 % erreicht, und das letzte Mal, dass sie die 50 % überschritten haben, war im Jahr 2019.
Windflaute
Warum können sie mit diesem scheinbar überdimensionierten System nicht mehr erreichen? Weil es lange windstille Perioden gibt. In diesen Zeiten leert sich der Speicher und kann nicht wieder aufgefüllt werden. Mein oben erwähnter Beitrag von 2022 verlinkte auf eine Berechnung von Roger Andrews auf der Website Energy Matters. Diese zeigt, dass El Hierro für die Selbstversorgung mit einem reinen Wind-/Speichersystem etwa die doppelte Windkraftleistung und die rund 40-fache Speicherkapazität (um extreme Winddürren zu überstehen) benötigen würde. Selbst wenn sie sich einen solchen Speicher leisten könnten, fehlt ihnen auf der Insel der Platz dafür.
Währenddessen beharren Städte wie New York, Kalifornien, Deutschland und Großbritannien trotz der Erfahrungen von El Hierro weiterhin darauf, dass Wind-, Solar- und Speichersysteme funktionieren. Es scheint, als könne man aus Erfahrung nicht lernen.
Übersetzung: Eric Vieira
Dieser Artikel wurde erstmals am 23. Oktober 2026 auf Manhattan Contrarian veröffentlicht.

Francis Menton
Zum 31. Dezember 2015 ging Francis Menton nach über 40 Jahren (davon 31 Jahre als Partner) bei der Anwaltskanzlei Willkie Farr & Gallagher LLP in den Ruhestand. Danach konnte er sich verstärkt seinem Blog „Manhattan Contrarian“ widmen. Er schreibt provokante Beiträge aus dem New Yorker West Village, wo die Bewohner laut Menton unter einer erdrückenden politischen und ideologischen Orthodoxie leiden. Sie können Menton auf Twitter folgen, indem Sie auf diesen Link klicken.
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