Düsterkeit kommt nie aus der Mode

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Malthusianische Weltuntergangsstimmung ist also nie wirklich aus der Mode gekommen; sie ändert lediglich ihre Garderobe. Wo der Club of Rome Großrechner und Systemdynamikdiagramme nutzte, setzt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) heute auf Erdsystemmodelle und eine Website mit dem Namen „Planetary Health Check“. Die grundlegende Wahlmöglichkeit bleibt dieselbe: Entweder die Menschheit gibt die Industriezivilisation auf oder sie steht vor dem Untergang.

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Illustration accompanying Tilak Doshi’s critique of the 2026 Planetary Health Check and its planetary boundaries.

Quelle: Shutterstock

Dr. Tilak K. Doshi
Datum: 30. September 2026

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Am 21. September veröffentlichte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) seinen „Planeten-Gesundheitscheck 2026“, einen jährlichen Bericht, der – wie uns mitgeteilt wurde – von über 60 Wissenschaftlern verfasst wurde. Der Guardian berichtete, wie immer, mit der gebotenen Ernsthaftigkeit über das Ergebnis: Die planetaren Lebenserhaltungssysteme, von denen die Menschheit abhängt, haben sich auf den schlechtesten jemals gemessenen Stand verschlechtert, und sieben von neun „planetaren Grenzen“ sind nun auf dem höchsten jemals erreichten Niveau überschritten worden.

Die sieben überschrittenen Grenzen, so PIK, sind Klimawandel, Integrität der Biosphäre, Veränderungen der Landnutzungssysteme, Veränderungen der Süßwasserressourcen, biogeochemische Prozesse, neuartige Umwelteinflüsse und Ozeanversauerung. Lediglich stratosphärisches Ozon und die Belastung der Atmosphäre mit Aerosolen liegen vorerst noch im Rahmen. Mit diesem Urteil erweitern die sechzig Mitautoren von PIK die traditionelle Gnade des apokalyptischen Genres: Rettung ist noch möglich, wenn die Menschheit nur ihre Maßnahmen beschleunigt, um „in den sicheren Handlungsspielraum zurückzukehren“ und so „gemeinsamen zukünftigen Wohlstand“ zu sichern. Es ist eine Formel, so alt wie das Genre selbst – eine zivilisatorische Katastrophe diagnostizieren und dann gerade genug Hoffnung bieten, um den Leser zum Weiterlesen zu bewegen oder, noch besser, das Institut zu finanzieren.

Diese düsteren Zyklen wiederholen sich regelmäßig (erinnert sich noch jemand an den Bericht des Club of Rome „Die Grenzen des Wachstums“ von 1972?). Der PIK-Bericht ist lediglich die jüngste Episode dieser Entwicklung. Er verdient eine sorgfältige Lektüre, nicht weil seine wissenschaftlichen Erkenntnisse überzeugend wären, sondern weil seine rhetorischen Mittel – der Appell an den Konsens, die Verwechslung von Werturteil und Messung sowie die Verwendung pseudowissenschaftlicher „Kipppunkte“ – mittlerweile so tief im westlichen politischen Diskurs verankert sind, dass sie Billionen von Dollar an Investitionen und Regulierungen ausgelöst haben.

Neun Grenzen, eine große Annahme

Das 2009 erstmals vorgeschlagene Konzept der „planetaren Grenzen“ besagt, dass neun miteinander verknüpfte Prozesse des Erdsystems innerhalb definierter „sicherer Grenzen“ bleiben müssen, um die Stabilität des Planeten zu gewährleisten. Es ist eine verlockende Idee: ein einziges Dashboard, neun Indikatoren und eine einfache Auswertung des Zustands der Menschheit. Das Problem ist jedoch, dass diese Indikatoren keine wissenschaftliche Grundlage haben. Wie das Breakthrough Institute in seiner detaillierten Analyse der wissenschaftlichen Grundlagen des Konzepts feststellte, weisen die meisten der neun Grenzen – Landnutzungsänderungen, Integrität der Biosphäre, Stickstoff- und Phosphorflüsse, Süßwassernutzung, Aerosolbelastung und neuartige Phänomene – überhaupt keinen identifizierten globalen biophysikalischen Kipppunkt auf.

Klimawandel und Ozeanversauerung bilden nominell die Ausnahme, da beide tatsächlich globale physikalische Ursachen haben – doch eine globale Ursache ist nicht dasselbe wie eine quantifizierbare, katastrophale. Richard Lindzen vom MIT argumentiert seit Langem, dass die seit der vorindustriellen Zeit beobachtete Erwärmung um etwa ein Grad Celsius mit einer Klimasensitivität gegenüber einer Verdopplung des CO₂-Gehalts vereinbar ist. Dieser Wert liegt deutlich unterhalb des Bereichs, der in den Modellen von PIK und IPCC berücksichtigt wird, und befindet sich innerhalb der Grenzen der natürlichen Klimavariabilität.

Die Ozeanversauerung schneidet bei genauerer Betrachtung nicht besser ab: Der durchschnittliche pH-Wert der Meeresoberfläche, der mit rund 8,1 immer noch deutlich alkalisch ist, ist seit der Industrialisierung um etwa 0,1 Einheiten gesunken – eine Veränderung, die, wie Feldstudien zur natürlichen pH-Wert-Variabilität von Matt Ridley belegen, im Vergleich zu den Schwankungen, die Riffe und offene Ozeane bereits innerhalb eines Tages oder einer Jahreszeit erfahren, verschwindend gering ist. Keiner der beiden angeblich strengen, global orientierten Grenzwerte von PIK hält der Prüfung anhand der zugrundeliegenden Daten wesentlich besser stand als die anderen sieben.

Eine einzige globale Kennzahl für einen lokal wirkenden Prozess ist keine wissenschaftliche Messung. Sie ist ein willkürliches Werturteil, das mit der Autorität eines gemessenen Schwellenwerts präsentiert wird. Das gesamte Rahmenwerk behandelt zudem das Holozän – den rund 12.000 Jahre dauernden Klimaabschnitt seit der letzten Eiszeit – als den einzig wahren „sicheren Handlungsspielraum“ für die Menschheit, als wäre jede Abweichung von den holozänen Referenzwerten zwangsläufig katastrophal. Doch wie Kritiker des Konzepts seit Langem betonen, sind viele der Veränderungen, die PIK nun als „Überschreitungen“ bezeichnet – verstärkter Düngemitteleinsatz, Landnutzung für die Landwirtschaft, Süßwasserentnahme, höherer atmosphärischer CO₂-Gehalt – genau das, was großflächige Landwirtschaft, Massenernährung und den außerordentlichen Anstieg des menschlichen Wohlstands in den letzten zwei Jahrhunderten ermöglicht hat. Es gibt erstaunlich wenige Belege dafür, dass das Überschreiten einer der von PIK festgelegten Kennzahlen einen plötzlichen, planetenweiten Zusammenbruch der Bewohnbarkeit zur Folge hätte.

Betrachten wir die zentrale Klimakennzahl des Berichts: die CO₂-Grenze von 350 ppm. Dieser Wert entstand nicht im Konsensverfahren des IPCC. Er stammt aus James Hansens Studie von 2008 und wurde unverändert in die Theorie der planetaren Grenzen übernommen. Was diese Darstellung der „Grenzüberschreitung“ ausblendet, ist der geologische Befund: In den meisten der letzten 500 Millionen Jahre lag die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre um ein Vielfaches über dem heutigen Wert, und das Leben überlebte diese Epochen nicht nur, sondern blühte in ihnen auf.

NASA-eigene Satellitendaten bestätigen dies nun: Eine wegweisende, von der NASA finanzierte Studie führt den Großteil der seit den 1980er-Jahren beobachteten globalen Begrünung – eine neue Blattfläche, die dem Doppelten der kontinentalen USA entspricht – direkt auf den Anstieg des CO₂-Gehalts zurück, der das Pflanzenwachstum fördert. Der Princeton-Physiker William Happer geht in einer schriftlichen Stellungnahme vor dem Deutschen Bundestag noch weiter und argumentiert, dass die CO₂-Konzentrationen in weiten Teilen der jüngeren geologischen Vergangenheit tatsächlich gefährlich niedrig waren und dass zusätzliches CO₂ der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft und dem photosynthetischen Leben im Allgemeinen zugutekommt. Nichts davon passt zu der Darstellung einer „massiven und gefährlichen Grenzüberschreitung“.

Die Grenzen des Wachstums, Neuauflage

Nichts davon ist neu. PIKs „Planeten-Check“ steht ganz in der Tradition des Berichts „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome von 1972. Dieser nutzte ein Computermodell mit fünf interagierenden globalen Variablen – Bevölkerung, Landwirtschaft, Ressourcen, Industrieproduktion und Umweltverschmutzung – und kam zu dem Schluss, dass ungebremstes Wachstum innerhalb weniger Jahrzehnte an die Grenzen der natürlichen Ressourcen stoßen würde. Die willkürlichen Annahmen des Modells führten zu willkürlichen Schlussfolgerungen, die im Gewand der Systemwissenschaft und der Computermodellierung daherkamen. Ökonomen kritisierten das Modell damals scharf als ein ausgeklügeltes Instrumentarium, das nicht widerlegbare Behauptungen verschleierte.

Malthusianische Weltuntergangsstimmung ist also nie wirklich aus der Mode gekommen; sie ändert lediglich ihre Garderobe. Wo der Club of Rome Großrechner und Systemdynamikdiagramme nutzte, setzt PIK heute auf Erdsystemmodelle und eine Website mit dem Namen „Planetary Health Check“. Die zugrundeliegende Wahlmöglichkeit ist damals wie heute dieselbe: Entweder die Menschheit gibt die Industriezivilisation auf oder sie steht vor dem Untergang. Ich habe bereits darüber geschrieben, wie diese Argumentation in der aktuellen „Degrowth“-Bewegung wieder aufgetaucht ist, die denselben Wachstumsfeindlichkeitsinstinkt in die marktgängigere Sprache der „Wohlfahrtsökonomie“ und der planetaren Grenzen kleidet. Der PIK-Bericht ist schlicht das wissenschaftlich klingende Gerüst, auf dem dieses politische Projekt errichtet wird.

Sechzig Wissenschaftler, null Falsifizierbarkeit

Es gibt eine alte, wahrscheinlich apokryphe Geschichte über Albert Einstein. Konfrontiert mit einer Broschüre mit dem Titel „100 Autoren gegen Einstein“, die die Relativitätstheorie anprangerte, soll er geantwortet haben, dass, wenn er sich irrte, ein einziger Wissenschaftler mit Beweisen genügt hätte. Die Anekdote hält sich hartnäckig, weil sie eine Wahrheit über die Wissenschaft verdeutlicht: Autorität durch bloße Anzahl ist kein Beweis. Die Unterzeichnung eines Berichts durch 60 PIK-Mitautoren demonstriert institutionellen Konsens, und nicht eine geprüfte und falsifizierbare Hypothese. Wissenschaft, so argumentierte Karl Popper, schreitet voran, indem sie Hypothesen aufstellt, die prinzipiell widerlegt werden können, und dann rigoros versucht, sie zu widerlegen – und nicht, indem sie immer größere Gremien der Übereinstimmung einberuft. Eine Mehrheit der Wissenschaftler, die sich einig ist, lag historisch gesehen schon einmal falsch; die positive Haltung der Eugenik zu Beginn des 20. Jahrhunderts war damals ebenfalls eine Konsensposition unter anerkannten Experten.

Gemessen an Poppers Maßstab scheitert PIKs „Planeten-Gesundheitscheck“ bereits an der ersten Hürde. Die von ihm definierten „Kipppunkte“ – die vermeintlichen Schwellenwerte, ab denen Erdsysteme unwiderruflich in einen neuen, geschwächten Zustand übergehen – werden durchgehend als unumstößliche Tatsache und nicht als umstrittene Hypothese behandelt. Doch große, komplexe Gleichgewichtssysteme verhalten sich im Allgemeinen genau entgegengesetzt zu den Annahmen katastrophistischer Theorien: Werden sie gestört, kehren sie, wie im Prinzip von Le Châtelier beschrieben, wieder in Richtung Gleichgewicht zurück. Der Begriff „Kipppunkt“ ist somit eine leere Worthülse ohne wissenschaftlichen Gehalt.

Der deutsche Wissenschaftsblog Klima Nachrichten hat genau diese Argumentation gegen PIK direkt vorgebracht, in einer Analyse, die von No Tricks Zone zusammengefasst und übersetzt wurde. Die zentrale These lautet, dass PIK-Forscher gewöhnliches statistisches Rauschen in Klimadaten – natürliche, historisch unbedeutende Schwankungen – routinemäßig als Beweis für eine permanente, sich beschleunigende Katastrophe interpretieren. Demnach sind die von PIK berichteten „Beschleunigungen“ statistisch nicht von der Hintergrundvariabilität zu unterscheiden. „Kipppunkte“, so die Kritik weiter, fungieren für PIK weniger als bewiesener physikalischer Mechanismus, denn als psychologisches Instrument: ein Mittel, um Angst zu schüren und Politik zu gestalten, die sich zwar des Vokabulars, aber nicht der Beweisführungsmethoden der Wissenschaft bedient.

Dies ist wahrlich keine neue Kritik an der Weltuntergangsprognose-Branche. Das Competitive Enterprise Institute (PEI) hat über 50 Jahre lang selbstbewusst verkündete Umweltkatastrophen dokumentiert – Massenverhungern, Ressourcenerschöpfung, das „Ende des Öls“, eisfreie Sommer zu längst vergangenen Zeitpunkten –, die allesamt ohne Zwischenfälle eingetreten sind. Die Vorhersagen erweisen sich als falsch; die Institutionen und die Al-Gores, die solche Äußerungen tätigen, müssen dafür selten einen Reputationsverlust in Kauf nehmen, und die Weltuntergangsprognose-Branche veröffentlicht einfach eine aktualisierte Frist. Der PIK-Bericht von 2026 liest sich wie die diesjährige Ausgabe eines Genres, das seit einem halben Jahrhundert immer wieder und gezielt falsch liegt, ohne seine bisherigen A-priori-Annahmen nennenswert zu aktualisieren.

Was ist nur so besonders an den Deutschen?

Ideologie besitzt die beinahe wundersame Fähigkeit, die Wahrnehmung der objektiven Realität durch intellektuelle Eliten zu verändern und ihre Ansichten mithilfe gefügiger Massenmedien zu verbreiten, die die Ideologie zu allgemeiner Überzeugung erhöhen. Deutschlands Klimapolitik bietet hierfür ein Paradebeispiel. Im Zentrum all dessen steht ein eigentümliches metaphysisches Rätsel, das Rupert Darwall in seinem Buch über die totalitären Wurzeln des Klimaindustriekomplexes treffend beschreibt und das mehr Aufmerksamkeit verdient. Das PIK ist eine deutsche Institution, und Deutschland bietet heute eines der seltsamsten Schauspiele der industrialisierten Welt. Sechzig deutsche Wissenschaftler verkünden der Welt voller Überzeugung, die Industriezivilisation müsse gezügelt werden, nachdem das Land in moralisierendem Eifer seine eigenen Atom- und Kohlekraftwerke demontiert hat – und damit seine eigene Wirtschaft deindustrialisiert, jahrtausendealte germanische Wälder für Windkraftanlagen gerodet hat, die Lebensraumverlust verursachen und Greifvögel töten, und über Institutionen wie das PIK eine Weltuntergangsstimmung nach Europa und darüber hinaus exportiert hat. Es handelt sich um eine Industriezivilisation, die sich in ihrem offiziellen Klimadiskurs gegen sich selbst gewandt zu haben scheint und das Wohl ihrer Bürger auf dem Altar Gaias opfert.

Anpassung, nicht Apokalypse

Die Frage, die Berichte im PIK-Stil systematisch umgehen, ist die Frage von William Nordhaus: Welcher Weg der schrittweisen Anpassung und CO₂-Bepreisung ist angesichts einer realen, aber moderaten und beherrschbaren Erwärmung wirtschaftlich optimal, im Gegensatz zur Forderung nach einer sofortigen, umfassenden Transformation, die durch unwissenschaftliche Worst-Case-Szenarien eines „Kipppunkts“ gerechtfertigt wird? Selbst die Nordhaus-Frage wird überbewertet. Wie William Happer und W. A. ​​van Wijngaarden zeigen, sind die starken Absorptionsbanden von CO₂ bereits weitgehend gesättigt, sodass jede zusätzliche CO₂-Menge logarithmisch betrachtet deutlich weniger Wärme speichert als die vorherige. Das Konzept der „planetaren Grenzen“, das jährlich als „Gesundheitscheck“ präsentiert wird, ist im Kern ein politisches Urteil. Der Planet ist kein Patient und braucht keine Ärzte, die ihm eine moderne Form des Aderlasses als Heilmittel verschreiben.

Die Aussagekraft einer Patientenakte hängt allein von den darin festgelegten Grenzwerten ab. Wenn diese Grenzwerte willkürlich und nicht überprüfbar sind und jeden September mit demselben Urteil – schlimmer denn je, aber noch zu retten, wenn wir nur sofort handeln – erneuert werden, sollten sich die Leser fragen, nicht, ob der Planet krank ist, sondern ob die Diagnose überhaupt jemals wirklich den Planeten im Blick hatte.

Die 60 Ärzte bei PIK sind Scharlatane, und Schwarzmalerei kommt nie aus der Mode; sie ändert nur ihren Briefkopf.

Übersetzung: Eric Vieira

Dieser Artikel wurde von Tilak Doshis Substack übernommen und erschien erstmals am 27. September 2026 im Daily Sceptic.

Dr. Tilak K. Doshi

Dr. Tilak K. Doshi ist Energieredakteur des Daily Sceptic. Er ist Wirtschaftswissenschaftler, Mitglied der CO2 Coalition und ehemaliger Autor für Forbes. Folgen Sie ihm auf Substack und X.

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By |2026-09-29T23:48:55-07:0029 September 2026|Climate Change|0 Comments

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