Ehemaliger MI6-Chef: Die Energiewende setzt Großbritannien gefährlichen Risiken aus

Ehemaliger MI6-Chef: Die Energiewende setzt Großbritannien gefährlichen Risiken aus

Ehemaliger MI6-Chef: Die Energiewende setzt Großbritannien gefährlichen Risiken aus

Der ehemalige MI6-Chef Sir Richard Dearlove warnte davor, dass Großbritanniens Energiepolitik das Land in gefährlicher Weise feindlichen Staaten aussetze, und argumentierte, dass nationale Sicherheitserwägungen im Streben nach Netto-Null vernachlässigt worden seien.

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Former MI6 chief Sir Richard Dearlove speaking about UK energy security

Der ehemalige MI6-Chef Sir Richard Dearlove

Clintel Foundation
Datum: 21. September 2026

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In seiner Jahresvorlesung 2026 der GWPF (Global Warming Policy Foundation) mit dem Titel „Energiesicherheit: Im Wind geweht“ sagte Sir Richard Dearlove, Großbritannien habe zugelassen, dass sein Energiesystem zunehmend von ausländischer Produktion, importierten Komponenten und einem Stromsystem abhängig werde, dessen Leistung immer stärker von den Wetterbedingungen abhänge.

 Die vollständige Präsentation können Sie unten ansehen:

Dearloves Hauptargument betraf nicht primär die Klimawissenschaft. Er räumte ausdrücklich ein, kein Wissenschaftler zu sein, und erklärte, er überlasse die wissenschaftliche Debatte anderen. Seine Expertise, betonte er, liege in der nationalen Sicherheit und Geopolitik, basierend auf 38 Jahren im Nachrichtendienst und umfassender Erfahrung im Umgang mit ausländischen Regierungen und Geheimdiensten.

Aus dieser Perspektive argumentierte er, dass Großbritanniens Energieversorgungssicherheit als strategisches Problem betrachtet werden müsse. Extremwetterereignisse und der Klimawandel seien Naturgefahren, auf die sich Regierungen vorbereiten sollten, dürften aber nicht mit Bedrohungen durch feindliche Staaten verwechselt werden. Der entscheidende Punkt sei die Verwundbarkeit der britischen Infrastruktur – und die Möglichkeit, dass Länder wie Russland und China diese Schwachstellen ausnutzen könnten.

Dearlove wies die Vorstellung zurück, dass die Dürre, die Hitzewellen und andere extreme Wetterereignisse des jüngsten Sommers automatisch die Ausrichtung der Energiepolitik bestimmen sollten. Solche Ereignisse seien kein logischer Ausgangspunkt für eine Bewertung der Energiesicherheit, argumentierte er. Stattdessen sollten Regierungen eine strategische Sichtweise einnehmen, die Naturgefahren von vorsätzlichen Handlungen feindlicher Mächte unterscheidet.

Er identifizierte drei Dimensionen der nationalen Sicherheit: direkte Bedrohungen durch feindliche Staaten; Schwachstellen aufgrund von Infrastruktur- und Regierungspolitikdefiziten; und Bedrohungen, die Regierungen nicht präzise genug erkannt oder auf die sie sich nicht ausreichend vorbereitet haben. Im Energiesektor bereitete ihm vor allem die zweite Kategorie – und deren potenzielle Ausnutzung durch ausländische Mächte – Sorgen.

Die chinesischen und russischen Dimensionen

Ein wesentlicher Teil von Dearloves Argumentation bezog sich auf China. Gestützt auf seine eigenen Erfahrungen im Umgang mit chinesischen Beamten beschrieb er die Kommunistische Partei Chinas als sehr bewusst über Verwundbarkeiten und geschickt darin, Schwächen in anderen Gesellschaften auszunutzen. Er verwies auf die Abteilung für Einheitsfrontarbeit der Partei, die er als wichtiges Instrument zur Gestaltung des politischen und sozialen Umfelds im Ausland im Sinne chinesischer Interessen bezeichnete.

Dearlove argumentierte, westliche Länder sollten solchen Aktivitäten mehr Aufmerksamkeit schenken. Er bezog sich dabei auf das Konzept der „aktiven Maßnahmen“, das historisch mit sowjetischen Versuchen verbunden ist, politische und soziale Bewegungen in westlichen Ländern auszunutzen. Seiner Ansicht nach sind die während des Kalten Krieges entwickelten Fähigkeiten nach wie vor relevant, da sowohl Russland als auch China über beträchtliche Organisationen verfügen, die sich der Einflussnahme und dem strategischen Wettbewerb widmen.

Er zählte den sogenannten „Klimakatastrophismus“ zu den Bewegungen, die in westlichen Gesellschaften erheblichen Einfluss erlangt haben. Er argumentierte nicht, dass jede Umweltorganisation oder Klimakampagne von einer ausländischen Macht kontrolliert werde. Vielmehr warnte er davor, dass ideologische Bewegungen potenziell zu Schwachstellen werden können, die ausländische Geheimdienste ausnutzen, so wie die Sowjetunion während des Kalten Krieges versucht hatte, westliche politische Bewegungen zu instrumentalisieren.

Russland stellte laut Dearlove jedoch eine unmittelbarere und konventionellere Bedrohung dar. Er hob die Fähigkeiten des Landes im Bereich der Unterwasserkriegsführung hervor und verwies auf dessen langjährige Investitionen in die Fähigkeit, Unterseekabel, Pipelines und Stromverbindungen zu stören. In einem zunehmend vernetzten Energiesystem könnten Schäden an dieser Infrastruktur weitreichende Folgen haben, die weit über das unmittelbare Ziel hinausgehen.

Dearlove rief die Politiker daher dazu auf, über die bekannten Argumente zu Subventionen für erneuerbare Energien, fossilen Brennstoffen und Klimaneutralitätszielen hinauszublicken. Seine zentrale Sorge galt der Widerstandsfähigkeit des Systems im Falle einer vorsätzlichen Störung kritischer Infrastrukturen.

„Wir als Nation haben uns fahrlässig an den Rand eines Abgrunds begeben, und die von mir beschriebenen Gegner stehen bereit, uns hinunterzuhelfen“, sagte er.

Deindustrialisierung als strategische Schwachstelle

Für Dearlove besteht eines der größten Probleme Großbritanniens nicht einfach in der Zusammensetzung seiner Stromerzeugung, sondern im Verlust der industriellen Kapazitäten, die einst das Energiesystem stützten.

Er zitierte Zahlen des Energieanalysten John Constable, die einen dramatischen Rückgang des industriellen Energieverbrauchs in Großbritannien belegen. Zwischen 1974 und 2025 sank der industrielle Endverbrauch demnach absolut um rund 70 Prozent, während sein Anteil am nationalen Energieverbrauch von 41 Prozent auf 14 Prozent zurückging. Großbritannien hat sich folglich von einer bedeutenden Industrienation zu einem, wie Dearlove es beschrieb, im Wesentlichen konsumorientierten Land entwickelt, das zunehmend von Importen abhängig ist.

Durch diesen Wandel ist eine strategische Schwachstelle entstanden, da Großbritannien nicht mehr über die industrielle Basis verfügt, die erforderlich ist, um seine eigene Energieinfrastruktur nach einer größeren Störung schnell wieder aufzubauen.

Große Transformatoren benötigen laut Dearlove mittlerweile etwa zwei Jahre bis zur Lieferung, verglichen mit sieben bis 14 Monaten vor 2020. Generatoren können bis zu drei Jahre Lieferzeit haben. Noch grundlegender ist jedoch, dass sich einige kritische Rohstoffe zunehmend in China konzentrieren. Kornorientiertes Elektroblech (GOES), das für Transformatoren unerlässlich ist und keinen direkten Ersatz hat, wird in China in großem Umfang produziert, während die Produktionskapazitäten in Europa zurückgegangen sind.

Das bedeutet, dass Großbritannien zwar die technische Fähigkeit behalten könnte, wichtige Netzkomponenten zu entwickeln und zu montieren, ohne jedoch zwangsläufig die für deren Herstellung erforderlichen Lieferketten zu kontrollieren. In einer schweren Krise könnte das Land daher im Wettbewerb mit anderen Nationen um Ausrüstung und Materialien stehen.

„Wir haben nur noch sehr wenige Industriezweige zu schützen, und wir können keine nicht existierenden Industriezweige wiederaufbauen, die sich in ausländischen Gerichtsbarkeiten außerhalb unserer Reichweite befinden“, warnte Dearlove.

Das Problem reicht weit über das Stromnetz hinaus. Moderne Gesellschaften sind für Wasser- und Abwassersysteme, Gasnetze, Eisenbahnen, U-Bahnen, Ampeln und Kommunikation auf Strom angewiesen. Ein längerer Ausfall des Stromnetzes könnte daher zu einer viel umfassenderen gesellschaftlichen Krise führen.

Dearlove hob China aufgrund seiner strategischen Ausrichtung auf die Schaffung wirtschaftlicher Abhängigkeiten als besonders wichtig hervor. Er nannte Chinas Dominanz in der Seltene-Erden-Produktion und die weltweite Verbreitung chinesischer Telekommunikationstechnologie als Beispiele dafür, wie wirtschaftliche Beziehungen potenziell geopolitischen Einfluss generieren können.

Die „Energiefalle“

Der ehemalige Geheimdienstchef stellte die heutige Situation der des Kalten Krieges gegenüber. Damals gingen britische und westliche Strategen davon aus, dass das Kriegspotenzial eines Landes maßgeblich von seiner industriellen Basis abhing. Obwohl die Treibstoffversorgung gefährdet war, blieb die industrielle Kapazität zur Reparatur und zum Wiederaufbau der Infrastruktur erhalten.

Diese Annahme, argumentierte Dearlove, treffe nicht mehr zu.

Großbritannien hat sich von einer Industriegesellschaft mit einem großen und flexiblen, energieintensiven Produktionssektor zu einer von Dienstleistungen, Transport und Konsum dominierten Wirtschaft entwickelt. Dadurch ist die Möglichkeit, einen Stromengpass durch vorübergehende Reduzierung der industriellen Nachfrage aufzufangen, geringer. Eine moderne Konsumgesellschaft kann Fabriken nicht einfach abschalten, da viele dieser Fabriken nicht mehr existieren.

Dadurch entsteht, was Dearlove als „Energiefalle“ bezeichnete. Großbritannien ist gleichzeitig stärker von komplexer Infrastruktur abhängig und weniger in der Lage, diese Infrastruktur im Falle eines Ausfalls selbstständig zu reparieren.

Er argumentierte, diese Schwachstelle sei schleichend entstanden und nicht das Ergebnis einer gezielten Verschwörung. Aufeinanderfolgende Regierungen hätten zugelassen, dass die Industrie- und Energiekapazitäten des Landes verfielen, ohne die Folgen für die nationale Sicherheit ausreichend zu berücksichtigen.

„Die erste Verantwortung der Regierung ist die Sicherheit der Nation. Doch die aufeinanderfolgenden Regierungen haben dies vergessen, und Großbritannien sitzt nun in einer selbstverschuldeten Energiefalle.“

Eine nationale „Großstrategie“ für Energie

Dearlove schloss mit dem Aufruf zu einem grundlegenden Wandel im britischen Energieverständnis. Anstatt lediglich darüber zu streiten, ob Netto-Null wünschenswert oder unerwünscht sei, schlug er die Entwicklung einer nationalen „Großstrategie“ für Energiesicherheit vor.

Eine solche Strategie würde kritische Schwachstellen, zentrale Ausfallpunkte und Abhängigkeiten von ausländischen Lieferanten identifizieren. Sie würde auch prüfen, ob Großbritannien über ausreichende Notfallpläne verfügt, falls wichtige Infrastrukturen oder Lieferketten gestört würden.

Er schlug vor, Ausnahmen aus Gründen der nationalen Sicherheit in den Netto-Null-Rahmen aufzunehmen, um der Regierung die Möglichkeit zu geben, klimabezogene Ziele auszusetzen oder anzupassen, sofern diese mit grundlegenden Sicherheitsanforderungen kollidieren. Zudem forderte er Anstrengungen zum Wiederaufbau strategischer Industrien, die für den Erhalt der Energieinfrastruktur des Landes und die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit Großbritanniens sowie seiner Fähigkeit zur Unterstützung verbündeter Demokratien unerlässlich sind.

Dearlove räumte ein, dass der Wiederaufbau der industriellen Kapazitäten schwierig sein und mindestens eine Generation dauern könnte. Er warnte zudem davor, dass der Staat selbst möglicherweise nicht der beste Akteur sei, um dies zu erreichen. Dennoch argumentierte er, dass die langfristigen Vorteile beträchtlich sein würden.

Seine Argumentation stellt letztlich eine Schwerpunktverlagerung dar: Anstatt sich nur zu fragen, wie schnell Großbritannien sein Energiesystem dekarbonisieren kann, sollten die politischen Entscheidungsträger auch fragen, was passiert, wenn dieses System gestört wird – und ob das Land dann noch über die industrielle Kapazität verfügt, sich davon zu erholen.

Für Dearlove wird die Antwort zunehmend unbequem. Großbritannien ist für kritische Energieinfrastruktur von globalen Lieferketten abhängig geworden und verfolgt gleichzeitig eine Energiepolitik, die seiner Ansicht nach den geopolitischen Wettbewerb nicht ausreichend berücksichtigt.

Sein Lösungsvorschlag beschränkt sich daher nicht allein auf eine Änderung des Strommixes, sondern beinhaltet eine umfassendere Neubewertung von Energie als Bestandteil der nationalen Verteidigung. Großbritannien, so argumentierte er, müsse die Fähigkeit zurückgewinnen, Störungen zu widerstehen, kritische Infrastrukturen aufrechtzuerhalten und letztlich das wiederaufzubauen, was es verlieren könnte.

„Die Aufgabe ist dringend“, schloss Dearlove. „Die Regierung sollte dies zu ihren obersten Prioritäten zählen.“

Übersetzung: Eric Vieira

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By |2026-09-21T00:08:44-07:0021 September 2026|Climate Change|0 Comments

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