Der Stern-Bericht: Zwanzig Jahre danach …
Es ist nun 20 Jahre her, dass der Stern-Bericht zur Ökonomie des Klimawandels veröffentlicht wurde. Dieser Bericht markierte den Beginn der irrsinnigen, kohlenstofffeindlichen Klimapolitik Großbritanniens, die – unterstützt durch unrealistische Szenarien – zur Verarmung des Landes beiträgt.
Heute erkennt selbst Tony Blair, dass das Streben nach Klimaneutralität ungerechtfertigt und schädlich für Großbritannien ist.
Jegliche Rechtfertigung für Ed Milibands Netto-Null-Klimapolitik, ob real oder eingebildet, ist mit der offiziellen Aufgabe des beängstigendsten Konzentrationsszenarios RCP8.5 durch den IPCC hinfällig geworden. Selbst Tony Blair erkennt nun, dass das Streben nach Netto-Null unbegründet und schädlich für Großbritannien ist.
Es ist nun 20 Jahre her, dass der „Stern-Bericht zur Ökonomie des Klimawandels“ im Jahr 2006 veröffentlicht wurde: ein Bericht, der von Gordon Brown, dem damaligen Schatzkanzler, in Auftrag gegeben wurde. Die Labour-Regierung unter Premierminister Tony Blair leitete mit diesem Bericht den Kurs Großbritanniens hin zu einer realitätsfernen, kohlenstofffeindlichen Politik ein, die – unterstützt durch unrealistische Szenarien – zur Verarmung des Landes beiträgt. Es ist eine gewisse Ironie, dass Blair nun die Aufgabe des Netto-Null-Ziels fordert: Bei Veröffentlichung des Berichts warnte er vor den Folgen der Untätigkeit. Seine Regierung ebnete den Weg für die heutigen überzogenen Klimapolitiken, und Menschen Angst einzujagen war ein Mittel des Risikomanagements, wie Lord Giddens am 1. März 2005 im Oberhaus feststellte.
Unmittelbare Gefahr
Der Stern-Bericht behauptete, die globale Erwärmung berge ein so hohes Risiko für den internationalen Lebensstandard, dass dieser unmittelbar gefährdet sei. Tatsächlich enthielt der Bericht zu den Auswirkungen der Erwärmung auf die Wirtschaft jedoch völlig unrealistische Aussagen. Dreist wurde behauptet, das Risiko eines globalen Temperaturanstiegs um 5 °C bis zum Ende des Jahrhunderts liege bei über 50 %. In diesem Szenario würden die Kosten des Nichtstuns 5 % des globalen BIP pro Jahr betragen. Der Bericht forderte die Staaten auf, dringend 1 bis 2 % ihres BIP für eine Reduzierung der Kohlendioxidemissionen um 80 % aufzuwenden. Dies lief faktisch auf einen Aufruf zur wirtschaftlichen Selbstkasteiung hinaus. Das vom Stern-Bericht skizzierte Horrorszenario basierte auf dem starken A2-Pfad des „Special Report on Emissions Scenarios“ (SRES), der sich zum uns bekannten RCP8.5-Szenario weiterentwickelte. Die repräsentativen Konzentrationspfade (RCPs) wurden erstmals 2007 vorgeschlagen und im Fünften Sachstandsbericht (AR5) des IPCC von 2014 übernommen. Obwohl RCP8.5 ein extremes und unwahrscheinliches Szenario darstellte, wurde es, wie sein Vorgänger SRES A2, von Klimaaktivisten weithin als „Weiter-so-wie-bisher“-Szenario betrachtet.
Lord Nigel Lawson, ehemaliger Schatzkanzler der Thatcher-Regierung, reagierte 2006 in einem Vortrag für das „Centre for Policy Studies“ kritisch auf den Stern-Bericht. Dieser wurde später in dem 2008 erschienenen Buch „An Appeal to Reason“ (Ein Appell an die Vernunft) erweitert. Lawson wies auf die Unsicherheiten der IPCC-Modellierung hin: Der SRES-A1-Pfad beispielsweise wies bis zum Jahr 2100 eine Spanne von 1 °C bis 6 °C für den Temperaturanstieg auf (2,0 °C bis 5,4 °C für A2). Angesichts dieser Spanne ist ein starker Temperaturanstieg als unwahrscheinlich einzustufen, mit Sicherheit deutlich unter 50 %.
Lawson kritisierte außerdem, dass diese hohen Temperaturszenarien unrealistische Bevölkerungswachstumsraten zugrunde legten und die Energieeffizienz nicht präzise modelliert wurde. Die Energieintensität ist in den letzten 50 Jahren gesunken. Hinsichtlich der wirtschaftlichen Kosten in Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion habe der Stern-Bericht den Nutzen höherer Kohlendioxidkonzentrationen für das Pflanzenwachstum (globale Begrünung) nicht berücksichtigt und die Fähigkeit der Landwirte außer Acht gelassen, sich durch den Anbau anderer oder widerstandsfähigerer Nutzpflanzen an den Klimawandel anzupassen.
Enorme Kosten
Lawson wies darauf hin, dass die Kosten der Dekarbonisierung der Wirtschaft zwar ungewiss, aber enorm wären. Er nannte Zahlen (zu Preisen von 2006) zwischen 80 und 1,1 Milliarden US-Dollar jährlich weltweit, wobei die Kosten hauptsächlich die westlichen Nationen treffen würden. Höhere Zahlen sind wahrscheinlich, wenn die Gesellschaft – wie von Stern gefordert – die CO₂-Emissionen schneller reduziert. Der Ausbau der Infrastruktur für erneuerbare Energien erfordert zudem Subventionen und Reservekapazitäten in Form von fossil befeuerten Kraftwerken. Die Kosten der Dekarbonisierung würden ärmere Konsumenten und Länder stärker belasten, insbesondere da die Preise für fossile Brennstoffe und die Subventionen zwangsläufig steigen werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Stern-Bericht das Risiko eines Temperaturanstiegs von 5 °C bis 2100 falsch einschätzte und die wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels überschätzte, indem er weder die Anpassungsfähigkeit der Landwirtschaft noch den wirtschaftlichen Nutzen der globalen Erwärmung in einigen Fällen berücksichtigte. Auch die extrem hohen Kosten für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen wurden im Bericht nicht berücksichtigt. Mit der Erkenntnis dieser Fehler entfällt jede Rechtfertigung für eine Reduzierung der Kohlenstoffemissionen um 80 % (oder 100 %, d. h. Netto-Null).
Lawson argumentierte stattdessen, dass es sinnvoller wäre, gezielt in die Anpassung an den Klimawandel zu investieren. Die Verpflichtung des Westens bestehe daher darin, ärmeren Ländern durch Entwicklungsprogramme Finanzmittel und technologisches Know-how zur Verfügung zu stellen. Ein Grund dafür sei, dass einige der Probleme, mit denen Gesellschaften konfrontiert sind, nicht neu seien, wie beispielsweise der Anstieg des Meeresspiegels. Direkte Maßnahmen zur Abschwächung der Folgen durch Entwicklung würden daher auch unabhängig vom Klimawandel einen besseren Schutz bieten.
RCP8.5
Die gleichen wirtschaftlichen Argumente werden in den letzten Jahren immer wieder vorgebracht, wobei das Szenario RCP8.5 oft als „Weiter so“ behandelt wird, obwohl es vom IPCC mittlerweile offiziell als unplausibel eingestuft ist. Ähnlich wie die Fehler des Stern-Berichts ging auch dieses Szenario von einem massiven Anstieg der Kohleproduktion und höheren Bevölkerungswachstumsraten aus und ignorierte dabei technologische Fortschritte bei der Energieeffizienz. Beispielsweise hat sich die Energieeffizienz von Verbrennungsmotoren in den letzten 50 Jahren fast verdoppelt. Dennoch wurde RCP8.5 in den letzten Jahren weiterhin zur Rechtfertigung des Strebens nach Netto-Null-Emissionen herangezogen. Die Folgen mangelnden oder gar Nichthandelns zur Reduzierung der CO₂-Emissionen werden überschätzt, während die Kosten für Klimaschutzmaßnahmen unterschätzt oder in Subventionen versteckt werden, die an die Verbraucher weitergegeben werden.
Es wird immer deutlicher, dass jegliche Rechtfertigung für Netto-Null-Emissionen widerlegt ist, wie selbst Tony Blair es erkannt hat. In einem kürzlich erschienenen Vorwort zu einem Bericht des „Tony Blair Institute for Global Change“ mit dem Titel „Das Klimaparadoxon: Warum wir unsere Klimapolitik neu ausrichten müssen“ schrieb er: „Jede Strategie, die entweder auf dem kurzfristigen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen oder der Verbrauchsbegrenzung basiert, ist zum Scheitern verurteilt.“ Er stellte fest, dass die Bevölkerung zunehmend skeptisch gegenüber übertriebenen Klimaschutzmaßnahmen ist, wenn andere Nationen nicht nachziehen. Gleichzeitig bemerkte er, dass der Tonfall und die Argumente der Klimaalarmisten „von Irrationalität geprägt“ seien. Natürlich hat Blair die Einrichtung energieintensiver KI-Rechenzentren und die Förderung digitaler Identitäten im Blick und fordert weiterhin die Installation von extrem teureren Technologien zur CO₂-Abscheidung – aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Die wirtschaftliche Rechtfertigung für eine 80-prozentige Reduzierung des CO₂-Ausstoßes, oder Netto-Null, wie es heute genannt wird, war von Anfang an fehlerhaft, da sie auf unrealistischen Annahmen in den pessimistischsten Klimaszenarien beruhte. Nachdem der RCP8.5-Pfad nun offiziell als unrealistisch gilt, ist jeder verbleibende Grund für das Streben nach Netto-Null hinfällig. Aus wirtschaftlicher Sicht sollten Investitionen fortan in die Entwicklung von Strategien zur Eindämmung von Überschwemmungen und Dürren weltweit fließen (unabhängig davon, ob diese infolge des Klimawandels zunehmen), kombiniert mit verbesserter Wettervorhersage, Wirkungsmodellierung und Technologietransfer in Entwicklungsländer.
Andrew Sibley ist ein teilpensionierter, staatlich geprüfter Meteorologe mit einem Master of Science in Umweltentscheidungsfindung und einem „Master of Philosophy“ in Theologie.
Dieser Artikel wurde erstmals am 4. Juni 2026 auf The Daily Sceptic veröffentlicht.
Übersetzung: Eric Vieira
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