Roger Pielke Jr.: Ein Bericht aus den Niederlanden

Roger Pielke Jr.: Ein Bericht aus den Niederlanden

Roger Pielke Jr.: Ein Bericht aus den Niederlanden

In diesem Artikel reflektiert Roger Pielke über seine jüngsten Präsentationen für Clintel und seine Reise in die Niederlande. „Warum mir Engagement wichtig ist.“ 

Climate Intelligence (Clintel) is an independent foundation informing people about climate change and climate policies.
Roger Pielke Jr. speaking at a Clintel event in Driebergen, the Netherlands, on 11 October 2026, discussing climate science and energy policy. Photo: MK Fotografie.

Roger Pielke Jr. und Marcel Crok in Driebergen, Niederlande. (Foto: MKFotografie)

Roger Pielke Jr.
Datum: 16. Oktober 2026

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Anfang dieser Woche hatte ich die Gelegenheit, in Driebergen in den Niederlanden auf einer von Clintel gesponserten Veranstaltung zu sprechen – hier die Beschreibung der Perspektive von Clintel:

Clintels Kernaussage lässt sich wie folgt zusammenfassen: Es gibt keinen Klimanotstand.

Ich kenne Marcel Crok, den Direktor von Clintel, seit fast 20 Jahren und bin froh, ihn einen Freund nennen zu dürfen. Am Samstag nahm mich Marcel mit zu einem Ajax-Spiel, was ein Riesenspaß war – mein erstes Eredivisie-Spiel, ein verregnetes 1:1 gegen NEC.

Am nächsten Tag hatte ich die Freude, mit über 200 Clintel-Unterstützern zu sprechen. Unsere Gespräche hätten noch viele Stunden andauern können.

Die Diskussion im Anschluss an meine beiden Vorträge und bei einem anschließenden Empfang war lebhaft. Viele äußerten Übereinstimmungen und Meinungsverschiedenheiten, boten ihre Sichtweisen an, stellten mir Fragen zu meiner Sichtweise und die Atmosphäre war stets gutmütig.

In seinem Clintel-E-Mail-Newsletter räumte Crok ein, dass mein Vortrag möglicherweise provokativ gewesen sei – und verwies explizit auf das untenstehende Bild, das meine erste Folie dem Clintel-Poster mit deren Kernposition gegenüberstellte. Marcel erkannte eine gewisse Spannung an:

Es ist immer wieder interessant zu sehen und zu hören, wie Menschen auf solche Vorträge reagieren. Wir alle interpretieren das Gehörte durch die Brille unserer eigenen Ansichten und suchen nach Bestätigung. Finden wir diese nicht, sind wir oft enttäuscht. Das obige Foto entstand während der Veranstaltung am Sonntag; es zeigt Pielke neben einem Clinton-Banner. Auf seinem persönlichen X-Account postete er ein anderes Bild, das eine Folie zeigt, die den Klimawandel als real und gravierend darstellt.

Viele der Teilnehmer, mit denen ich nach der Veranstaltung sprach, bezeichneten sich offen als Klimaskeptiker (eine Charakterisierung, die offensichtlich kein einheitliches Verständnis hatte). Mehrere sagten mir, dass sie mit meiner oben abgebildeten Eingangsfolie nicht einverstanden seien.

Anschließend führten wir eine Diskussion, tauschten unsere unterschiedlichen Ansichten aus, stimmten zu bzw. widersprachen einander und erreichten hoffentlich eine sinnvolle Kommunikation.

Keine Blockierung

Anders als in der Online-Welt wurden niemand beschimpft oder blockiert. Das war erfrischend – und völlig normal. Ich denke, genau diese Art von Interaktion brauchen wir in unserer polarisierten Zeit viel öfter.

Ich werde oft von Leuten – meist sehr internetaffinen Klimaforschern – gefragt, warum ich mich mit selbsternannten Klimaskeptikern auseinandersetze. Manche, darunter auch einige prominente Klimawissenschaftler, behaupten, dass ich selbst Klimaskeptiker sein müsse, wenn ich mit ihnen spreche. Offenbar versuchen sie damit, solche Gespräche durch öffentliche Bloßstellung zu unterbinden und andere davon abzuhalten, sich mit mir auseinanderzusetzen.

Warum sollte sich irgendjemand schließlich mit Menschen auseinandersetzen, mit denen er nicht übereinstimmt? (Hier ein Augenrollen einfügen).

Ich lehne das Bedürfnis nach Echokammern sowie Versuche ab, politisches Engagement durch Online-Forderungen nach politischer Reinheit zu beschämen.

Ich freue mich über den Austausch mit nahezu jedem, insbesondere mit Menschen, mit denen ich möglicherweise nicht übereinstimme. Als Politikwissenschaftlerin hilft mir dieser Austausch, die komplexen und umstrittenen politischen Dynamiken im realen Leben besser zu verstehen. Im Idealfall werden diese Erkenntnisse mir und meinen Kolleginnen und Kollegen helfen, politische Vorschläge zu entwickeln, die gegenüber Polarisierung und unterschiedlichen wissenschaftlichen Auffassungen widerstandsfähiger sind.

Meiner Ansicht nach geht es bei politischer Auseinandersetzung nicht darum, eine Debatte zu gewinnen oder gar Meinungen zu ändern, sondern darum, die Ursachen von Meinungsverschiedenheiten besser zu verstehen und Wege zu finden, diese in Kompromisse umzuwandeln. Das Ziel der Politik ist stets, eine gemeinsame Sichtweise auf gemeinsame Interessen und mit diesen Interessen vereinbare politische Optionen zu entwickeln.

Ich bin seit langem der Überzeugung, dass das Erreichen einer solchen gemeinsamen Sichtweise nicht voraussetzt, dass jeder die Wissenschaft – oder Fakten im Allgemeinen – auf genau dieselbe Weise betrachtet.

Deshalb werdet ihr mich oft Walter Lippmann (Public Opinion, 1922) über den Zweck der Politik paraphrasieren hören:

Das Ziel der Politik ist nicht, alle Menschen dazu zu bringen, gleich zu denken, sondern Menschen mit unterschiedlichen Ansichten dazu zu bringen, gleich zu handeln.

Wenn mir also jemand sagt, er glaube nicht, dass Kohlendioxid das Klima beeinflusst, oder im Gegenteil, dass Kohlendioxid die Apokalypse auslösen werde, antworte ich immer gleich: Ich teile gern meine Ansichten zur Klimawissenschaft, bin aber auch offen für unterschiedliche Meinungen. Dann lenke ich das Gespräch auf die Energiepolitik: Wünschen Sie sich bezahlbare, sichere, zugängliche und saubere Energie? Zwei dieser vier? Drei? Wenn ja, dann sollten wir uns unterhalten, denn eine vernünftige Energiepolitik, die alle vier Ziele erfüllt, ist zwar anspruchsvoll, aber nicht unmöglich.

Demnächst auf YouTube

Wenige Tage nach meinen Vorlesungen in Driebergen führten Marcel und ich ein Gespräch in einem Studio – das demnächst auf YouTube zu sehen sein wird –, in dem wir unsere unterschiedlichen Perspektiven auf Klimawissenschaft und -politik erörterten. Marcel ist sachkundig und nachdenklich, und wir stimmten sowohl zu als auch nicht. Am wichtigsten ist jedoch, dass wir uns gut verstanden haben. Ich bin dankbar für diese Gelegenheit und freue mich, dass wir das Thema bald einem breiteren Publikum zugänglich machen können.

Wie Marcel es ausdrückt – und er bezieht sich dabei auf die unterschiedlichen Perspektiven im obigen Bild –, hat sich im Laufe unseres Gesprächs Folgendes herausgestellt:

Es wurde deutlich, dass unsere Ansichten viel ähnlicher sind, als die beiden Bilder vermuten lassen.

Ich stimme zu.

Eine Einigung auf pragmatische und vernünftige Energiepolitiken erfordert nicht, dass alle in Klimafragen die gleiche Meinung vertreten.

Marcel charakterisierte meine Interpretation der IPCC-Perspektive, die keinerlei Hinweise auf einen Notfall, eine Apokalypse oder eine existenzielle Bedrohung enthält:

Pielke erklärte sogar, die Debatte darüber, ob ein Klimanotstand vorliegt, sei beendet – und von denen gewonnen, die die Notstandsdefinition ablehnen. Es sei nun an der Zeit, sich vom Klima der Energie zuzuwenden.

Marcel äußerte ebenfalls einige Verwunderung:

Man fragt sich, warum er so umstritten bleibt. Seine Ansichten decken sich weitgehend mit denen des IPCC und damit mit dem wissenschaftlichen Mainstream. 

In der anschließenden Fragerunde nach meinem Vortrag gab ich Clintel einen ungefragten Ratschlag:

  • Die Debatte um einen „Klimanotstand“ ist beendet. Man muss sich nur ansehen, wie die politischen Entscheidungsträger auf der ganzen Welt handeln;
  • Ich empfehle eine neue und positive Formulierung ihrer Kernaussage, etwa so: Die Welt (und die Niederlande) braucht reichlich Energie, die bezahlbar, zugänglich, sicher und sauber ist;
  • Gegen etwas zu argumentieren ist einfach (fragen Sie nur selbsternannte Klimaaktivisten), aber für etwas Praktisches zu argumentieren ist viel produktiver.

Ich für meinen Teil werde mich weiterhin aktiv mit denen auseinandersetzen, die meine Arbeit oder meine Ansichten nicht teilen. Vielleicht fällt mir das leichter, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass in Klimafragen so gut wie jeder etwas finden kann, worüber er mir widersprechen kann!

Und das ist gut so – es ist für uns alle besser, die Echokammer zu verlassen, mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt zu treten und unsere Ideen öffentlich zu diskutieren. Im Idealfall schärfen wir dadurch alle unser Denkvermögen und klären, wie Politik und politische Prozesse unsere gemeinsamen Interessen fördern können.

Fakt ist, dass die Weltwirtschaft seit über 60 Jahren kontinuierlich dekarbonisiert wird, was auf breite Unterstützung für die Dekarbonisierung hindeutet – selbst wenn diese als ein noch nicht vollständig verstandenes Ergebnis und nicht als primäres Ziel betrachtet wird. Es gibt viele gute Gründe, die Dekarbonisierung fortzusetzen und zu beschleunigen, unabhängig von der individuellen Einschätzung der Klimaforschung.

Besuch bei PBL

Einen Tag nach meinem Vortrag bei Clintel hatte ich die Ehre, bei der niederländischen Umweltbewertungsagentur (PBL) in Den Haag zu referieren. Mein Vortrag dort entsprach im Wesentlichen dem in Driebergen (meinem zweiten Vortrag dort zum Thema Szenarien), war aber für das Publikum aus internationalen Experten für Szenarien und integrierte Bewertungsmodelle deutlich technischer.

Auch dort führten wir eine fantastische Diskussion mit Übereinstimmungen und Meinungsverschiedenheiten in einer respektvollen und kollegialen Atmosphäre – was eigentlich völlig normal sein sollte. Ich ging mit einem besseren Verständnis ihrer Ansichten und hoffe, dass dies auch umgekehrt der Fall war. Letztendlich gab es deutlich mehr Übereinstimmungen als Meinungsverschiedenheiten.

Nochmals vielen Dank an Marcel, PBL und alle in den Niederlanden, die mich so herzlich willkommen geheißen haben, um mit ihnen zu diskutieren, Fußball zu genießen und gemeinsam Wein und Bier zu trinken – Tot de volgende keer! (Bis zum nächsten Mal!)

Traduction : Eric Vieira

Dieser Artikel wurde erstmals am 15. Oktober 2026 auf The Honest Broker veröffentlicht.

Bitte schauen Sie sich diese beiden Vorträge an, die Roger Pielke Jr. am 11. Oktober 2026 auf der Clintel-Tagung in Driebergen, Niederlande, gehalten hat:

Roger Pielke Jr.

Roger Pielke Jr. ist ein US-amerikanischer Wissenschaftler und Experte an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik. Er schreibt kritisch über Klimapolitik und die Rolle der Wissenschaft in der öffentlichen Debatte und ist bekannt für seine sachlichen, datenbasierten Analysen. Pielke war Professor an der University of Colorado Boulder und ist derzeit Senior Fellow am American Enterprise Institute. Er publiziert außerdem über seine Substack-Seite „The Honest Broker“.

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By |2026-10-16T04:05:39-07:0016 October 2026|Climate Change|0 Comments

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