Großbritannien: Zeit, zur Kohle zurückzukehren!
Der Ausbau von Wind- und Solarenergie löst nicht das Problem der drohenden Krise der gesicherten Stromerzeugungskapazität Großbritanniens, sagt Francis Menton. Wie wäre es mit dem Undenkbaren – der Rückkehr zur Kohle?
Unter den Vorreiterländern im Klimaschutz zählt Großbritannien zu den ernsthaften Anwärtern auf den Spitzenplatz. Zwar war Deutschland mit der sogenannten Energiewende, die bereits in den 1990er-Jahren ihren Anfang nahm, früher dran, und aufstrebende US-Bundesstaaten wie Kalifornien und New York sind der Ansicht, dass ihre extremen Energiebeschränkungen sie für den ersten Platz qualifizieren.
Doch Großbritanniens Maßnahmenpaket insgesamt ist kaum zu übertreffen: gesetzlich vorgeschriebene Netto-Null-Ziele; ein durchgedrehter Ausbau der Wind- und Solarenergie; die Stilllegung von Kohle- und Gaskraftwerken; ein Verbot von Bohrungen in der Nordsee; und ein vollständiges Fracking-Verbot. Der Energieminister der aktuellen Labour-Regierung – Ed Miliband – ist ein Klima-Fanatiker par excellence. Die Briten haben sogar Kohlekraftwerke gesprengt, um sicherzustellen, dass niemand jemals seine Meinung zum Thema Netto-Null ändern und versuchen könnte, die Anlagen wieder in Betrieb zu nehmen.
In einem Beitrag von mir aus dem Jahr 2022 findet sich ein Bild des ehemaligen Kohlekraftwerks Longannet in Fife, Schottland, das 2021 gesprengt wurde. Das letzte Kohlekraftwerk Großbritanniens wurde 2024 stillgelegt. Heute behauptet Großbritannien, etwa 45–47 % seines Stroms aus „erneuerbaren Energien“ zu gewinnen, wobei darin etwa 5–7 % „Biomasse“ und ein geringer Anteil Wasserkraft enthalten sind. Der Anteil von Wind- und Solarenergie liegt bei etwa 35–40 %. Milliband glaubt, diesen Anteil durch den Bau immer weiterer Windkraftanlagen und Solarparks noch steigern zu können.
Doch leider scheinen die britischen Wind- und Solaranlagen häufig gleichzeitig stillzustehen, und zwar oft genau dann, wenn es am heißesten oder kältesten ist. Der Bau immer neuer Anlagen löst das Problem nicht. Manche sprechen deshalb von Großbritanniens „drohender Krise der Stromerzeugungskapazität“.
Was ist also die Lösung? Wie wäre es mit dem Undenkbaren – die Kohle wieder einzuführen!
Neuer Bericht
Am 9. Juni befasste sich Andrew Montford, Direktor von Net Zero Watch, in seinem neuen Bericht „Das Undenkbare denken: Kohlekraft und nationale Sicherheit“ mit diesem Thema. (Offenlegung: Ich bin Vorstandsmitglied der amerikanischen Niederlassung von Net Zero Watch.) Folgende Grundannahme liegt Andrews Bericht zugrunde:
Der sich verschlechternde Zustand der britischen Wirtschaft – untragbar hohe Strompreise, geringes Wachstum, Deindustrialisierung und eine schrumpfende Steuerbasis – bedeutet, dass Netto-Null und damit auch die CO2-Bepreisung aufgegeben werden, egal welche Partei an der Macht ist.
Ich denke, das ist ganz klar richtig. Die Realität hat sie eingeholt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie gezwungen sind, ihre Netto-Null-Fantasie aufzugeben.
Andrews Bericht befasst sich auch mit den nationalen Sicherheitsimplikationen einer unzuverlässigen Stromversorgung und der damit einhergehenden Notwendigkeit unsicherer Importe als Backup:
Importe und Offshore-Produktion sind gleichermaßen anfällig für die Aktionen feindlicher Mächte, wie die Sabotage der Nord-Stream-Pipeline im Jahr 2022 deutlich gemacht hat. In dieser Hinsicht ist Großbritannien extrem gefährdet. Fast die Hälfte unserer Gasversorgung stammt aus Norwegen. Eine Sabotage der Langeled-Pipeline, die allein rund 20 % unserer Versorgung ausmacht, wäre katastrophal für Großbritannien und würde rasch zu einem nationalen Notstand führen.
Ist es heutzutage in Großbritannien überhaupt noch möglich, das Thema Kohleverstromung anzusprechen, wo dieser Brennstoff jahrzehntelang einer Verleumdungskampagne ausgesetzt war? Montford:
Während ein solcher Schritt [d. h. die Wiederaufnahme der Kohleverstromung] noch vor zwölf Monaten undenkbar war, verändert sich die politische Landschaft rasant. Umfragen von „More in Common“ zeigen, dass die stetig steigenden Energiekosten zu politischer Instabilität und Zersplitterung führen. Italien und Deutschland haben kürzlich die Verlängerung der Laufzeiten ihrer Kohlekraftwerke angekündigt. Infolgedessen gewinnen neue Stimmen an Bedeutung. Ein Hinweis darauf, wie weit sich das Overton-Fenster bereits verschoben hat, ist das Versprechen der Reformpartei im Wahlprogramm für die schottischen Wahlen, den Kohleabbau wieder zuzulassen. Angesichts der drohenden geopolitischen Gefahren für das Land ist es nun an der Zeit, den in den letzten zwei Jahrzehnten gewachsenen Konsens gegen Kohle zu überdenken.
Missliche Lage
Es bedarf also nur einer ausreichend unmittelbaren Krise, um das Thema Kohleverstromung wieder in die öffentliche Debatte zu bringen. Die zwei kurzen Wochen seit Veröffentlichung des Andrew-Berichts haben Großbritannien einige Anzeichen für die missliche Lage aufgezeigt, in die es sich selbst manövriert hat. Die Leser hier dürften von der jüngsten Rekordhitzewelle wissen, die weite Teile Europas, einschließlich Großbritanniens, erfasst hat. Paul Homewood von der Website „Not a Lot of People Know That“ veröffentlichte am 25. Juni einen Beitrag mit dem Titel „Kein Wind? Keine Sonne? Was kann da schon schiefgehen?“ Homewoods Beitrag enthält ausführliche Auszüge aus einem Artikel des „Telegraph“ vom 24. Juni (hinter der Bezahlschranke). Die Kernaussage ist, dass der britische Netzbetreiber (NESO) am 23. Juni eine Notstromwarnung herausgegeben hatte, die jedoch zurückgezogen wurde, nachdem NESO, Notstromlieferungen vom Kontinent sichern konnte. Für die Beschaffung dieser importierten Notstromlieferungen war jedoch eine Sondergenehmigung für die EU-Exportbeschränkungen erforderlich. Aus dem Telegraph-Artikel:
Der nationale Netzbetreiber Neso, der das britische Stromnetz verwaltet, gab am Dienstag eine seltene Notstromwarnung heraus, nachdem die hohen Temperaturen zu einem Einbruch der Solarstromerzeugung geführt hatten und die Solaranlagen unter den heißen Bedingungen kaum funktionierten. Die Warnung wurde jedoch am Mittwoch zurückgezogen, nachdem Neso Notstromlieferungen vom Kontinent sichern konnte. Die Branchenberaterin Kathryn Porter erklärte, Neso habe die EU inständig gebeten, die Importbeschränkungen aufzuheben, die die Menge des nach Großbritannien importierten Stroms begrenzt hätten. Laut Porter ermöglichte die plötzliche Lockerung der Beschränkungen Großbritannien den Import von 2,3 Gigawatt (GW) gegenüber der im Mai eingeführten Grenze von 1,5 GW, wodurch Stromengpässe vermieden werden konnten.
Krise
Okay, Krise vorerst abgewendet. Homewood berichtet jedoch über einige weitere Aspekte dieser Lösung für Großbritanniens Stromknappheit. Zunächst musste der Strom aus den Niederlanden am Day-Ahead-Markt gekauft werden, der aufgrund der Hitzewelle und fehlender bedarfsgerechter Kapazitäten bereits auf einem hohen Niveau lag. Homewood verlinkt einen Tweet der Firma „Montel Analytics“ zum Preis: „Sie zahlen bis zu 1600 € pro MWh dafür.“ 1600 €/MWh entsprechen mehr als 2000 $/MWh oder mehr als 2,00 $/kWh. Das ergibt einen Einzelhandelspreis von rund 2,50 $/kWh, verglichen mit durchschnittlichen US-amerikanischen Strompreisen von unter 0,20 $/kWh.
Ach ja, und fast der gesamte importierte Strom wurde entweder aus Erdgas oder Kohle erzeugt.
Anders ausgedrückt: Die Fixierung auf Wind- und Solarenergie hat lediglich dazu geführt, dass die Stromkosten für Verbraucher und Unternehmen ins Absurde gestiegen sind. Und wenn beim nächsten Mal, wenn es an einem heißen Abend wieder zu einer Flaute kommt, der Strom aus den Importen möglicherweise gar nicht verfügbar ist, könnte es zu flächendeckenden Stromausfällen kommen.
Danke, Andrew, dass du das Thema Kohleverstromung wieder in die Diskussion gebracht hast. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es so weit ist.
Dieser Artikel wurde erstmals am 27. Juni 2026 auf Manhattan Contrarian veröffentlicht.

Francis Menton
Zum 31. Dezember 2015 ging Francis Menton nach über 40 Jahren (davon 31 Jahre als Partner) bei der Anwaltskanzlei Willkie Farr & Gallagher LLP in den Ruhestand. Danach konnte er sich verstärkt seinem Blog „Manhattan Contrarian“ widmen. Er schreibt provokante Beiträge aus dem New Yorker West Village, wo die Bewohner laut Menton unter einer erdrückenden politischen und ideologischen Orthodoxie leiden. Sie können Menton auf Twitter folgen, indem Sie auf diesen Link klicken.
Übersetzung: Eric Vieira
Der Artikel, den Sie soeben gelesen haben, wurde durch unsere Spender ermöglicht.
Clintel veröffentlicht täglich Artikel zu Klima, Energie und Wissenschaft. Wir übersetzen und verbreiten außerdem internationale Analysen in verschiedenen Sprachen, produzieren Videos, veröffentlichen Berichte und organisieren Konferenzen und Veranstaltungen weltweit.
Wir erhalten keine staatlichen Fördermittel und sind vollständig auf die Unterstützung unserer Spender angewiesen. Ihre Unterstützung hilft uns, unabhängige Forschung zu fördern und zu einer offeneren und ausgewogeneren Debatte über Klima- und Energiefragen beizutragen.
Möchten Sie unsere Arbeit unterstützen? Wählen Sie die Option, die am besten zu Ihnen passt:
- Werden Sie Freund von Clintel – unterstützen Sie uns mit einem jährlichen Beitrag
- Richten Sie eine regelmäßige Spende ein – leisten Sie fortlaufende Unterstützung und helfen Sie uns bei der Planung
- Spenden Sie einmalig – jeder Beitrag hilft
Vielen Dank für Ihre Unterstützung.
more news
Fire Fighting in the European Union: Don’t Forget The Decade of Policy Failures in California
Whether in the Mediterranean or the American West, the narrative around wildfires has become a convenient shield for policymakers: blame “climate change,” ignore the structural rot, and then demand more taxpayer money to sustain a broken status quo.
Climate.us: A Sign That the Climate Debate Is Far From Over
Many commentators have suggested that recent political changes represent some sort of permanent turning point in the climate debate. That would be a mistake, says Anthony Watts. The Climate.us project for instance, demonstrates that there remains a substantial network committed to maintaining the climate narrative.
ICSF/Clintel lecture by Roger Pielke Jr.: RCP8.5 is Retired – What Now?
In his recent ICSF/Clintel Lecture, Roger Pielke Jr. acknowledges that the scientific community is now correcting a long-standing problem regarding extreme climate scenarios like RCP8.5. But he warns that the consequences of past reliance on these scenarios will continue for many years.
The post Großbritannien: Zeit, zur Kohle zurückzukehren! appeared first on Clintel.
Please consider helping!
Awake Freedom TV On Roku is Broken! 🙂

I could no longer maintain the costs on my own, so I moved the off of a dedicated server which was needed for the TV platform to work. On top of that, I want to build an app Awake Freedom TV app, for mobile phones. We need your help to first resurrect our TV channel, and then build the mobile app. In order to do that, I need a minimum of 800/month on subscription payments. Please help anyway you can with the form below.










Leave A Comment